Strasse von Hormus: Normalisiert sich der Verkehr?
Hunderte Schiffe stecken noch in der Golfregion fest. Auch wenn die Strasse von Hormus durch die Vereinbarung im Iran-Krieg öffnet: Bis der Verkehr wieder normal läuft, könnten Monate vergehen.
Etwa 150 Schiffe durchfuhren die Strasse von Hormus noch im Februar im täglichen Durchschnitt – bis der Iran-Krieg den Verkehr fast komplett zum Erliegen brachte. Nach mehr als drei Monaten Krieg soll der wichtige Seeweg nun wieder öffnen, nachdem die USA und der Iran sich auf ein Rahmenabkommen geeinigt haben. Die Unterzeichnung des Dokuments ist für Freitag geplant, dann könnte der Seeweg normal befahrbar werden. Aber ist die Krise für den Welthandel dann wirklich beendet? Die wichtigsten Fragen:
Warum ist die Strasse von Hormus so wichtig?
Die Strasse von Hormus liegt zwischen dem Iran und dem Oman und ist an ihrer engsten Stelle nur etwa 30 Kilometer breit. Sie gilt als eine der Lebensadern der Weltwirtschaft. In normalen Zeiten wird auf Schiffen rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggashandels durch das Nadelöhr transportiert, aber auch Düngemittel, Petrochemikalien oder Helium, ein wichtiger Stoff für die Halbleiterindustrie. Aus Rohöl wird Kerosin für Flugzeuge hergestellt oder Diesel für Schiffe, Lastwagen und Generatoren.
Erdöl ist wichtig als Kraftstoff, die daraus gewonnen Derivate werden aber für eine ganze Palette von Alltagsprodukten genutzt: Plastikflaschen, Medikamente, Kleidung, Hygieneprodukte oder Elektronik. Besonders wichtig ist Erdöl auch für die Baubranche. Von Treibstoffen aber auch Düngemitteln sind wiederum Landwirte auf der ganzen Welt sind abhängig, vor allem in ärmeren Ländern drohen deshalb durch die Krise zunehmend Ernteausfälle. Der Schiffsverkehr durch die Engstelle kam im Krieg praktisch zum Erliegen.
Welche Staaten sind am stärksten von der Sperrung betroffen?
Nur mit Blick auf den Energiehandel sind vor allem die Länder betroffen, die ihr Öl und Gas überwiegend oder ausschliesslich über die Strasse von Hormus liefern können. Das sind vor allem der Irak, Kuwait, Katar und Bahrain. Über Pipelines kommt aber zumindest ein Teil der Ölexporte auf den Weltmarkt. Unter den Importländern wurden vor allem asiatische Staaten wie China, Indien, Japan und Südkorea stark getroffen, weil sie besonders stark von Lieferungen aus der Golfregion abhängig sind.