Stadt Zürich soll Zahnarzt-Kosten für Asylsuchende übernehmen
Das Stadtzürcher Parlament fordert eine Kostenübernahme für Zahnarztbehandlungen von Asylsuchenden. Nach Ansicht der linken Mehrheit sind die Vorgaben so streng, dass es kaum angemessene Behandlungen gebe.
Den Betroffenen kämen grundsätzlich nur Schmerzbehandlungen zugute. Übermässig viele Zähne zögen die Zahnärzte bei Asylsuchenden, heisst es im Postulat der ehemaligen Gemeinderätinnen Sanija Ameti (parteilos) und Anna-Béatrice Schmaltz (Grüne) sowie Gemeinderat Severin Meier (SP).
Sie forderten eine städtische Stelle, die im direkten Kontakt mit den Kollektivzentren stehen würde. Diese könnte demnach den bürokratischen Aufwand für Zahnärztinnen im Rahmen der Kostengutsprachen beheben und für Transparenz in der zahnärztlichen Gesundheitsversorgung für Asylsuchende sorgen.
«Es geht nicht um perfekte Zähne, sondern um angemessene Behandlung», sagte Meier am Mittwoch. Es sei unverständlich, dass nicht allen Mitmenschen die gleiche Behandlung zukomme. «Schmerzen oder Zahn ziehen ist keine echte Wahl», so Meier. Das Postulat verlange lediglich eine Prüfung, ob die Übernahme möglich sei.
Michele Romagnolo (SVP) meinte, dass es für diese Menschen schon Angebote gebe, etwa vom Zahnmedizinischen Institut der Universität Zürich oder einzelnen Zahnärzten, die Rabatte gewährten. Julia Hofstetter (Grüne) fühlte sich an das Mittelalter und die Zahnbrecher erinnert. «Es geht nur darum, Leute bei einer guten Zahnbehandlung zu unterstützen».
Etwas Rabatt bringt nichts
Nach einer Textänderung der AL würde das Angebot bei einer Umsetzung auch auf vorläufig Aufgenommene und Schutzsuchende mit Status S ausgeweitet. Moritz Bögli begründete dies damit, dass auch diese Menschen die gleichen Probleme hätten. «Diese Leute haben kein Geld, mit etwas Rabatt können sie sich nichts leisten». Der Staat solle eingreifen, diese Aufgabe dürfe nicht auf einzelne Zahnärzte abgewälzt werden.
Karin Stepinski (Mitte) fand, dass alle Anspruch auf eine würdige Behandlung hätten. Zähne zu ziehen, weil die Kostengutsprache zu lange dauert, «ist unter unserer Würde».