St Galler Spitalstrategie wird (fast) ohne Notfallzentren umgesetzt
Ab dem 1. Juli ist das Spital Altstätten Geschichte. Wie in Flawil und Rorschach, den anderen Standorten geschlossener Spitäler, wird es auch in Altstätten kein Notfallzentrum mit einem 24-Stunden-Betrieb geben. Hat die Regierung ein Versprechen gebrochen?
Gab es 2020 nicht den Plan, dass im Kanton St. Gallen zwar Spitäler geschlossen werden, im Gegenzug an den Standorten aber neuartige Gesundheits- und Notfallzentren (GNU) entstehen? «Nicht, wenn man die damalige Vorlage genau las», erklärte Ruedi Mattle, Stadtpräsident von Altstätten und GLP-Kantonsrat, gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Er bezieht sich auf eine Einschränkung, die damals in der Botschaft der Regierung und danach in allen weiteren Beschlüssen zu den Spitalschliessungen zu den GNZ festgehalten ist – aber in den Debatten meistens nicht erwähnt wurde. Dort steht, das Angebot für eine Notfallversorgung «werde in Zusammenarbeit mit der niedergelassenen Ärzteschaft auf den Bedarf der Region ausgerichtet».
Ihm sei schon 2020 klar gewesen, dass die GNZ kaum realisiert würden, sagt Mattle. Dafür sei auch der vorgesehene Beitrag des Kantons zu tief gewesen. Mit der Ankündigung von Notfallzentren habe man zur Beruhigung beigetragen. «Das war Placebo.»
Spitalstrategie «4plus5»
2020 war in der Botschaft der Regierung zur neuen Spitalstrategie von «4plus5» die Rede. Wörtlich wurde aufgezählt: «Vier Spitalstandorte (Kantonsspital St. Gallen, Spital Grabs, Spital Linth und Spital Wil) sowie fünf regionale Gesundheits- und Notfallzentren (Flawil, Rorschach, Altstätten, Walenstadt und Wattwil)».
Die GNZ sollten einen «gut erreichbaren und erkennbaren Walk-in-Notfall» mit einem 24-Stunden-Angebot, geöffnet an sieben Tagen die Woche samt einem kleinen Bettenangebot anbieten. Für die Finanzierung waren Staatsbeiträge vorgesehen, weil die Notfallzentren nicht kostendeckend funktionieren würden. Die Regierung rechnete 2020 mit jährlich 1,25 Millionen Franken pro Standort.