Der Regen lässt Brienz/Brinzauls wieder etwas schneller rutschen
Im Gebiet von Brienz/Brinzauls hat es in den vergangenen drei bis vier Wochen viel geregnet. «Die kalte und nasse Jahreszeit hat begonnen», sagt Stefan Schneider, Leiter des Frühwarndienstes. Mit dem vielen Regen haben auch die Rutschungen zugenommen. «Niederschläge versickern und sättigen die Rutschmasse mit Wasser. Das lässt sie schneller gleiten als in trockenen Perioden», erklärt Schneider.
Aktuell bewegt sich der Messpunkt bei der Kirche von Brienz/Brinzauls einen Meter und 15 Zentimeter pro Jahr. Auch die Bereiche Plateau und Front, West und Insel Ost reagierten auf den vielen Regen empfindlicher – mit zunehmenden Geschwindigkeiten (siehe Kasten). In den letzten Tagen sind die Geschwindigkeiten in diesen Bereichen aber wieder zurückgegangen. Das gab die Gemeinde Brienz/Brinzauls in einer Mitteilung vom Freitag bekannt.
Aktuelle Geschwindigkeiten
Plateau: gut 2,9 Meter/Jahr | zunehmend
Front: gut 4,1 Meter/Jahr | zunehmend
West: gut 5,9 Meter/Jahr | zunehmend
Insel Ost: 2,4 Meter/Jahr | zunehmend
Rücken Caltgeras: 1,8 Meter/Jahr | zunehmend
Rutschung Dorf: 1,15 Meter/Jahr | zunehmend
Im bewaldeten Rücken Caltgeras nehmen die Geschwindigkeiten seit Ende August laufend zu. Sie folgen aber nicht den Niederschlagsereignissen.
Zunahme der Rutschungen ist nicht beunruhigend
Einzelne, kleine bis mittlere Niederschlagsereignisse haben laut Schneider keinen direkten Einfluss auf die Rutschgeschwindigkeit der gesamten Rutschung – längere Nässeperioden aber schon: «Insbesondere die Schneeschmelze hat einen Einfluss. Dann dringt in kurzer Zeit viel Wasser in den Untergrund ein. Der Wasserdruck im Untergrund steigt, und mit ihm die Rutschgeschwindigkeit.» Aktuell dürfte die Zunahme auch damit zusammenhängen, dass der Spätsommer und der Herbst überdurchschnittlich nass waren und es auch schon schneite. Für die Geologen und Geologinnen sind die aktuellen Geschwindigkeitszunahmen also nicht erstaunlich und auch nicht beunruhigend. Saisonale Schwankungen gibt es bereits seit mehreren Jahren. Man kann davon ausgehen, dass die Beschleunigung durch den Winter und die Schneeschmelze anhält – und sich im Frühsommer und Sommer dann wieder zurückbildet.