So prägt Ricardo Rodriguez das Schweizer Nationalteam
Er meidet das Rampenlicht, prägt aber seit 15 Jahren das Schweizer Spiel: Nun könnte Ricardo Rodriguez gegen Bosnien-Herzegowina sein 140. Länderspiel bestreiten.
«Wir haben einen Punkt geholt, die anderen haben einen Punkt geholt. Nun geht es weiter. Das Leben geht weiter.» Dies antwortete Ricardo Rodriguez, als er nach dem 1:1 gegen Katar gefragt wurde, ob die Pläne des Nationalteams nun über den Haufen geworfen worden seien. Es ist eine Aussage, die ihn als Person perfekt widerspiegelt. Der 33-jährige Zürcher ist gelassen, pragmatisch und nüchtern. Praktisch nie lässt er sich von negativen Emotionen mitreissen. Das zeigt auch der Blick in die Statistik: In 139 Spielen für das Schweizer Nationalteam sah Rodriguez nur sechs Gelbe Karten und niemals Rot.
Kein Wunder, sagte Murat Yakin in einem kurz vor der WM geführten Interview mit Keystone-SDA: «Ich höre oft, ich sei gechillt. Wer das denkt, soll mal mit Ricci sprechen.» Die Ruhe, die er ins Spiel bringen kann, sei eine grosse Qualität des Linksverteidigers. Deswegen bezeichnet der Nationaltrainer Rodriguez auch als «superintelligenten Fussballer», der defensiv richtig stehe, kaum einen Ball verliere und immer eine Idee habe.
Das zeigte sich auch beim WM-Auftakt gegen Katar, als vor allem in der ersten Halbzeit viel über seine linke Seite lief. Rodriguez schaltete sich dabei immer wieder ins Offensivspiel ein und hätte in der 10. Minute beinahe seinen 15. Assist im Nationalteam verbucht. Doch der Schuss von Dan Ndoye ging bekanntlich knapp über das Tor.
Oft im Schatten der Mitspieler
Gerade weil er so ruhig ist, wird er aber auch immer wieder etwas übersehen, wenn es darum geht, die Stärken des Schweizer Nationalteams aufzuzeigen. Gerne wird dann auf die «starke Achse» mit Goalie Gregor Kobel, Verteidiger Manuel Akanji, Mittelfeldspieler und Captain Granit Xhaka sowie Stürmer Breel Embolo verwiesen. Rodriguez, der seit bald 15 Jahren das Nationaldress trägt und dabei fast immer in der Startaufstellung steht, wird oft übergangen.