Portugals Engel, Englands Sehnsucht
Mit England und Portugal starten am Mittwoch zwei Mitfavoriten auf den WM-Titel ins Turnier. Die Briten wollen die Geschichte umschreiben, die Iberer ziehen Kraft aus dem Verlust eines Teamkollegen.
Die Erinnerung an ihren tödlich verunglückten Mitspieler begleitet Portugals Fussballer bei dieser Weltmeisterschaft bei jedem Schritt. Auf dem Trainingsplatz. Im luxuriösen Teamhotel in Florida. Und auch bei ihrem ersten Spiel an diesem Mittwoch gegen die Demokratische Republik Kongo.
Denn jeder WM-Fahrer trägt während des Turniers ein Armband, auf dem die Namen aller Spieler und jener von Diogo Jota zu lesen sind. Am 3. Juli, am Tag des möglichen ersten K.o.-Spiels der Portugiesen, jährt sich der Unfalltod ihres Stürmers zum ersten Mal. Die Armbänder in den Landesfarben Grün und Rot sind ein Geschenk des Ministerpräsidenten Luís Montenegro.
«Diogo ist unser Licht», sagte Nationaltrainer Roberto Martinez dem Sportmagazin «The Athletic» vor dem Abflug in die USA. «Er wollte die Weltmeisterschaft gewinnen. Und das ist nun gewissermassen zu einer Verpflichtung und zu einem Vorbild für uns geworden. Denn Diogo war das pure Beispiel dafür, an alles zu glauben, was möglich sein könnte. Wir müssen uns bis zum Schluss von ihm inspirieren lassen. Er gehört zu uns!».
Ruben Neves trug Jotas Sarg
Diogo Jota war erst 28 Jahre alt, als er vor einem Jahr zusammen mit seinem jüngeren Bruder bei einem Autounfall ums Leben kam. Bis auf ihren Superstar Cristiano Ronaldo kam die gesamte Nationalmannschaft zu seiner Beerdigung. Der Mittelfeldspieler Ruben Neves trug Jotas Sarg.
Neves stand dem Stürmer des FC Liverpool besonders nah. Sie teilten bei der Nationalmannschaft das Zimmer. Sie sassen nebeneinander im Bus. Sie wechselten 2017 sogar zusammen nach England. Im Gedenken an seinen toten Freund übernahm Neves dessen Rückennummer 21.
«Wir haben schon so oft darüber gesprochen und sagen immer dasselbe», meinte der 29-Jährige vor dieser WM: «Diogo wird uns in entscheidenden Momenten eine zusätzliche Kraft geben.»