Neue Rasse frühestens im nächsten Jahr anerkannt
In Graubünden schützen vier Landwirtschaftsbetriebe ihre Schafherden mit Anatolischen Hirtenhunden. Doch die Rasse ist vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) nicht als Herdenschutzhund anerkannt. Der Bund zahlt zwar weiterhin sogenannte Halter- und Sömmerungsbeiträge für die Hunde, er lehnt aber die Zucht und den Import der Anatolier ab – solange die Rasse nicht offiziell anerkannt ist (Ausgabe vom 28. Februar).
Damit der Bund überhaupt prüfen kann, ob er die Anatolier als Herdenschutzhunde anerkennen will, braucht es einen Abschlussbericht aus Graubünden. Das Bafu hat nämlich ein dreijähriges Bündner Pilotprojekt mit Anatolischen Hirtenhunden finanziert. Doch obschon das Projekt vor zwei Jahren endete, wurde der abschliessende Bericht – die Grundlage für eine Beurteilung der Rasse – noch nicht eingereicht.
Das will man jetzt nachholen. Gemäss Peter Küchler, Präsident der Strategiekommission Herdenschutz und Direktor des Landwirtschaftlichen Bildungszentrums Plantahof, wird der Schlussbericht zum Pilotprojekt voraussichtlich Ende Juni beim Bafu eingereicht werden. Vergangene Woche habe man entschieden, dass der Projektnehmer beim Verfassen des Berichtes vom kantonalen Herdenschutzbeauftragten Jan Boner unterstützt werde.
Hunde wurden bereits geprüft
Bereits vorgegeben hat das Bafu, welche Kriterien der Abschlussbericht erfüllen muss. Er soll zum einen die Resultate der sogenannten Einsatzbereitschaftsprüfung beinhalten. Alle Anatolischen Hirtenhunde des Pilotprojekts haben nämlich nach ihrer Ausbildung eine Prüfung abgelegt. Während dieser Prüfung wird etwa getestet, wie gut sie sich führen lassen und ob die Hunde ihre Herde genügend schützen.
Der Abschlussbericht soll aber auch darüber Aufschluss geben, wie nah die Hunde bei ihrer Herde bleiben, wie sie im Zusammenspiel mit anderen Herdenschutzhunden arbeiten und sich gegenüber Dritten verhalten. Martin Baumann, stellvertretender Sektionschef beim Bafu, erklärt: «Herdenschutzhunde arbeiten die meiste Zeit selbstständig, ohne direkte Führung. Deshalb müssen die Hunde nicht nur Grossraubtiere angemessen abwehren, sondern auch herdentreu sein und gleichzeitig tolerant gegenüber anderen Hunden oder Menschen.»