Neue KI erkennt das biologische Alter mit Augen-Foto
Ein Blick ins Auge genügt: Eine neue künstliche Intelligenz (KI) der Universität Lausanne kann anhand von Fotos der Netzhaut das biologische Alter einer Person ablesen und so das Risiko für Krankheiten wie Krebs oder Demenz abschätzen.
Ein grosser Unterschied des so bestimmten zum tatsächlichen Alter deutet auf erhöhte Gesundheitsrisiken hin, wie die Universität am Mittwoch mitteilte. So ist ein höheres biologisches Netzhautalter laut der Studie mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen, Krebs sowie Demenz verbunden. Die Forschenden veröffentlichten ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift «Nature Communications».
Für ihre Methode trainierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen KI-Algorithmus mit Bildern von mehr als 70'000 Personen im Alter von 40 bis 79 Jahren. Das Modell schätzt das Netzhautalter mit einer durchschnittlichen Abweichung von weniger als drei Jahren zum tatsächlichen Alter.
Unterschiede zwischen Männern und Frauen
Die Studie zeigte zudem deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Bei Männern war eine älter erscheinende Netzhaut stärker mit Merkmalen des metabolischen Syndroms wie Bluthochdruck, Diabetes oder Übergewicht verknüpft. Bei Frauen stand das Netzhaut-Alter hingegen stärker im Zusammenhang mit vaskulären Faktoren, etwa einem erhöhten Thromboserisiko.
Auch die Menopause scheint eine Rolle zu spielen. Vor der Menopause wiesen Frauen im Durchschnitt Netzhäute auf, die jünger aussahen als die von Männern. Nach der Menopause kehrte sich dieser Unterschied um. Die Studie belege keinen kausalen Zusammenhang, eröffne aber eine interessante Spur zur Rolle hormoneller Veränderungen, heisst es weiter.