Nato-Chef bestätigt US-Streichungen bei Streitkräfteplanung
Nato-Generalsekretär Mark Rutte hat bestätigt, dass die USA künftig weniger militärische Fähigkeiten für Abschreckung und Verteidigung unter Nato-Kommando in Bereitschaft halten.
Man habe die Arbeitsteilung im Bereich der konventionellen Streitkräfte überprüft und sehe, dass die europäischen Verbündeten und Kanada bereit, willens und in der Lage seien, mehr zu leisten, erklärte Rutte. Auf dieser Grundlage hätten die Vereinigten Staaten ihre Zusagen im Rahmen des sogenannten Nato Force Model angepasst. Darüber wird im Bündnis festgelegt, welche Mitgliedstaaten wie viele Kräfte und Fähigkeiten bereithalten und wie schnell diese verfügbar sein müssen.
Der Niederländer betonte, dass dies aus seiner Sicht aber kein Problem sei und nicht als Rückzug der USA interpretiert werden sollte. «Die Vereinigten Staaten haben deutlich gemacht, dass sie sich zur Nato bekennen», sagte Rutte. Dieses Bekenntnis gehe jedoch mit der Erwartung einher, dass sich die Verbündeten die Verantwortung für Sicherheit hier in Europa gerechter teilten.
Für die Europäer und Kanadier bedeute dies, dass sie im konventionellen Bereich mehr leisten müssten, erklärte er. Die nukleare Abschreckung wollten die USA weiter verlässlich leisten.
Kampfjets, Drohnen und eine Flugzeugträgerkampfgruppe
Den genauen Umfang der US-Streichpläne hatte bereits Anfang des Monats die «Welt» enthüllt. Sie berichtete unter Berufung auf ein Geheimdokument, dass die USA unter anderem Langstreckenaufklärungsdrohnen und acht moderne Tankflugzeuge des Typs KC-46 komplett aus der Nato-Planung nehmen. Starke Reduzierungen der Beiträge soll es zudem etwa bei Kampfjets, bewaffneten Drohnen des Typs MQ-9 sowie Kreuzer- und Zerstörerverbänden geben. Auch eine Flugzeugträgerkampfgruppe und ein Langstreckenbomberverband sollen nicht mehr abrufbar sein.
Rutte: «Das ist fair»
Rutte betonte am Mittwoch in Brüssel, historisch gesehen habe eine übermässige Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten bestanden. Nun hätten die USA ihre zugesagten Beiträge angepasst – und andere Verbündete hätten ihre Beiträge erhöht. «Das ist fair. Das macht uns stärker.»