Eine Balance finden
von Cindy Ziegler
Im Fürstenwald ist an jenem Dienstagmorgen viel los. Und das trotz Kältesturz und drohendem Starkregen. Hunde und ihre Menschen, Joggerinnen, Biker und Kinder, die den Wald entdecken. Thomas Hensel geht in Richtung des Gleichgewichtswegs. Eines Projekts, das er für ein gutes Beispiel hält für die Möblierung der Natur. Dann bleibt er an einer Weggabelung stehen. «Hier stehen wir auch in einem Schilderwald», meint er kritisch. Schon beim Waldeingang fielen die Schilder auf. Hier an der Kreuzung sind sie gar nicht mehr zu übersehen. «Ich frage mich, ob es all diese Schilder braucht. Und ob wir tatsächlich Werbung im Wald wollen», erklärt Thomas Hensel, Präsident der Churer Naturfreunde. Zwei Tafeln machen Werbung für zwei verschiedene Versicherungen.
Eine nationale Kampagne
Die Werbung in der Natur. Die Möblierung der Natur. Ein Thema von dreien, die sich die Kampagne «Natura pura» vornimmt. Es ist eine nationale Aktion, die von den Organisationen Darksky Switzerland, Mountain Wilderness, den Naturfreunden, Pro Natura und der Stiftung Landschaftschutz getragen wird.
Eigentlich geht es in der Kampagne um die Natur, die sich hinter dem Fürstenwald erhebt. Die Bergwelt. Trotzdem. Auch ein Treffen im Churer Naherholungsgebiet erfüllt seinen Zweck. Man wolle nicht mit Verboten arbeiten, sondern in einen Dialog treten, meint Thomas Hensel. Und so stellt er an jenem Morgen im Wald vor allem Fragen, auf die er teilweise selbst noch keine Antwort hat. Wie viel Möblierung braucht es und wie viel davon erträgt die Natur? Was davon ist beispielsweise sicherheitsrelevant? «Es ging Jahrzehnte lang ja mit den rot-weissen Markierungen. Ich verstehe nicht, warum es für alles andere nun so viel Erklärung braucht. Die Natur erklärt sich doch von selbst», meint Thomas Hensel.