Mit letzten Kräften zu weiteren Topleistungen
Die Saison ist lang, die Kräfte müssten schwinden. Doch Audrey Werro, Jason Joseph oder Lionel Spitz finden bei Weltklasse Zürich erstaunliche Reserven. Ihre Stimmen zum Meeting-Abend.
Bei Audrey Werro äussern sich die späten Reserven in einer Zeit, die noch vor kurzem kaum vorstellbar schien. In 1:53,70 Minuten läuft sie über 800 m nahe an den Weltrekord heran. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem eine lange Saison mit der Europameisterschaft als Höhepunkt bereits Spuren hinterlassen könnte.
Davon ist bei Werro wenig zu erkennen. Im Letzigrund orientierte sie sich am Wavelight, das den Weltrekord anzeigte. «Mein Ziel war es, möglichst lange beim Wavelight zu bleiben. Erst ganz am Ende wurde es sehr knapp», sagt sie.
Dabei musste Werro ihre Kräfte diesmal anders einteilen. Femke Broeders-Bol übernahm zunächst die Initiative, Werro konnte abwarten. «Ich habe diese Taktik von ihr erwartet», betont sie. Die ungewohnte Rolle habe ihr behagt. «Es war cool, wieder einmal ein Rennen zu haben, bei dem ich nicht von Anfang an vorne laufen musste.»
In einem engen Rennen war auch Durchsetzungsvermögen gefragt. Die Freiburgerin scheute den Körperkontakt nicht. «Heute habe ich ein bisschen die Ellbogen eingesetzt. Aber das braucht es auch.»
Joseph kommt Pause jetzt zugute
Auch Jason Joseph scheint die lange Saison derzeit weniger zu bremsen als andere. Der Europameister gewann den stark besetzten 110-m-Hürdenlauf in 13,11 Sekunden und blieb lediglich vier Hundertstel über seinem Schweizer Rekord. «Dieses Rennen zu gewinnen und Ende Saison noch einmal so schnell laufen zu können, ist schon sehr schön», betonte der Basler.