Mit «laangem Schnuuf» zu mehr «Nĭ hăo Grischun»
Auch Regierungsrat Marcus Caduff hält es an diesem wetterbedingt weitsichtigen Maidonnerstag auf dem Laaxer Skiberg fest: «Der Crap Sogn Gion eignet sich gut, um einen anderen Blickwinkel einzunehmen.» Auf 2250 Metern über Meer treffen sich 170 Touristikerinnen und Touristiker aus dem ganzen Kanton zum Bündner Tourismustag, dem nach rund anderthalb Jahrzehnten wiederbelebten Gipfeltreffen der Branche. An dem man, so die Worte von Graubünden-Ferien-CEO und damit Gastgeber Martin Vincenz, «über Grenzen hinweg schauen» will – jene der Region, der Kultur und des Tourismus selbst. Was Regierungsrat Caduff sehr begrüsst: «Es ist wichtig, dass die Akteure den Austausch pflegen und zusammenarbeiten.» Lange, vielleicht zu lange habe sich Graubünden fokussiert auf den Schweizer und den deutschen Gast, was nun mit der Offensive auf den Fernmärkten korrigiert werden solle, «aber das geht nur gemeinsam», so Caduff. Zu oft stehe noch die Frage im Zentrum, was für die eigene Region, die eigene Gemeinde das Beste sei.
«Unglaubliches Wachstum»
Die Fernmärkte: Wo er diesbezüglich besonders viel Potenzial für Graubünden ortet, das verrät den anwesenden Tourismusleuten Martin Nydegger, Direktor von Schweiz Tourismus. Einerseits China: «Die Chinesen lieben die Schweiz», so Nydegger, «und sie suchen den alpinen Winter.» Zweitens: die Golfstaaten, vor allem die Emirate und Saudi-Arabien. Drittens: die USA. Noch sind die Logiernächtezahlen aus diesen Gebieten in Bündner Herbergen nicht riesig, pro Jahr sind es rund 111 000 aus den USA, 53 000 aus China und knapp 21 000 aus den Golfstaaten – das macht nicht einmal vier Prozent aller Logiernächte in Graubünden aus. Zum Vergleich: Im Kanton Bern befindet sich der Anteil bei 24 Prozent. Tatsächlich bewege man sich in Graubünden auf tiefem Niveau, räumt Nydegger ein – trotzdem «geht die Post ab», denn das Wachstum seit 2010 sei «unglaublich».
Nydeggers Empfehlungen für den Bündner Tourismus: Es sei nie zu spät, um aufzuholen, zudem habe Graubünden in diesen Fernmärkten einen gewissen Newcomer-Bonus. Aber: «Es braucht einen Effort und Investitionsbereitschaft.» Auch agile Reaktionszeiten seien unabdingbar. In den Fokus stellen müsse man Leuchtturm-Angebote. Und was man sicher nicht haben dürfe: «Angst vor Klischees.»