Mit Drohnen gegen Hightech-Waffen

Rheinmetall-Chef Papperger hat mit seinen Äusserungen über ukrainische Drohnen und deren Hersteller viele Ukrainer verärgert. Papperger verglich die Drohnenproduktion mit dem Spielen mit Lego und bestritt jeglichen technologischen Durchbruch bei Drohnen. Die Arroganz mancher Analysten und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens im Westen scheint unheilbar zu sein. Sie wollen nicht aus den Lehren des Krieges Russlands gegen die Ukraine und den Westen lernen. Oder aus den Nato-Manövern in diesem Jahr in der Nähe von Portugal oder im letzten Jahr in Estland. In beiden Fällen erfüllten ukrainische Drohnenpiloten ihre Missionen. Die Nato-Kollegen bemerkten nicht einmal, wie und wann sie von kleinen Teams ukrainischer Drohnenpiloten besiegt wurden.
Warum haben sich Drohnen im Kampf als wirksames Mittel erwiesen? Erstens sind sie hochpräzise Waffen. Die Bediener können Drohnen dazu bringen, ein Ziel zu verfolgen und während dieser Verfolgung Anpassungen vorzunehmen. Dies ist besonders nützlich bei beweglichen Zielen.
Zweitens sind sie effizient im Munitionsverbrauch. Sowjetische Militärhandbücher sehen 300 bis 450 Artilleriegeschosse des Kalibers 152 mm vor, um die Stellungen eines Infanteriezugs auf offenem Feld zu unterdrücken. Stellen Sie sich vor, eine Haubitze feuert fast ununterbrochen den ganzen Tag, um 20 bis 30 Prozent eines Zuges zu vernichten. Bei der Verteidigung von Debalzewe im Jahr 2015 feuerte eine ukrainische Haubitzenmannschaft 500 Schüsse innert eines Tages ab.
Im Jahr 2025 wurden nur 4 Prozent der russischen und 19 Prozent der ukrainischen Verluste durch Kugeln aus Schusswaffen verursacht.
Drittens sind Drohnen billiger als Artillerie- oder Panzermunition. Und sie sind weitaus billiger als Haubitzen oder Panzer, die für Drohnen relativ leichte Ziele darstellen. Kürzlich fielen zwei moderne russische Helikopter ukrainischen Drohnen zum Opfer. Eine gute Artilleriebesatzung verbraucht 5 bis 10 Granaten im Wert von jeweils 2000 bis 4000 Euro, um ein statisches Ziel zu treffen. Ist die Kanone alt und ihr Lauf abgenutzt, fällt das Ergebnis noch schlechter aus. Ein gutes Drohnenteam setzt zwei bis drei 500-Euro-Drohnen ein, um ein Ziel zu treffen.
Es ist klar, dass die konventionelle Kriegsführung im Stil des 20. Jahrhunderts mit der Artillerie als Kriegsgöttin nicht mehr tragfähig ist. Nach Berechnungen des ukrainischen Generalstabs hätte die Ukraine im Jahr 2023 bis zu zwei Dutzend Millionen Granaten sowie weitere Ressourcen im Wert von 400 Milliarden Dollar benötigt, um ihr Territorium zurückzuerobern. Keine Kriegspartei war in der Lage, eine Munitionsindustrie dieser Grössenordnung aufzubauen und wirtschaftlich rentabel zu machen.