Missbrauchsopfer fordern mehr Dialog beim Papstbesuch
Vor dem Papstbesuch in Frankreich hat der Verband zur Entschädigung von Missbrauchsopfern kritisiert, dass Leo XIV. sich nicht mit Opferverbänden, sondern nur mit einer kleinen Zahl von Betroffenen treffen will.
Von einer «verpassten Chance» sprach die Präsidentin der unabhängigen Anerkennungsstelle (Inirr), Marie Derain de Vaucresson, in Paris. Angesichts einer Problematik, die systemischen Charakter habe, müsse es vonseiten der Kirche ein systemisches Vorgehen und eine kollektive Antwort geben, statt lediglich Einzelgespräche.
Statt sich in Lourdes am Sonntag voraussichtlich nur mit einer kleinen Zahl von Betroffenen zu treffen, hätte der Papst einen ganztägigen Austausch mit einer grösseren Gruppe von 250 bis 300 Opfern suchen sollen, sagte de Vaucresson.
Die katholische Kirche in Frankreich habe bei der Aufarbeitung der Missbrauchsproblematik enorme Arbeit geleistet. «Diese Erfahrung sollte den Vatikan dazu anregen, laut und deutlich den Willen zu bekunden, weiterhin die Wahrheit über diese Realität ans Licht zu bringen, und die nationalen Bischofskonferenzen der verschiedenen Länder dazu bewegen, sich entschlossen zu engagieren.»
Papst soll sich zu Missbrauch klar und deutlich äussern
Die Dynamik bei der Aufarbeitung von Missbrauch in der katholischen Kirche müsse weiter vorangetrieben werden. «Ich würde dem Papst gerne genau das sagen, und ich glaube, ich würde mir auch wünschen, dass er sich zu diesem Thema klar und deutlich äussert», sagte de Vaucresson. Es sei Zeit, dass nicht nur Opfer das Wort ergriffen, sondern dass die Institutionen ihnen zuhörten.