Marlen Reusser sorgt am 35. Geburtstag für Novum
Marlen Reussers Goldfahrt im längsten Frauen-Zeitfahren der WM-Geschichte gleicht einer Machtdemonstration. Für die Bernerin ist der neuerliche Triumph aber alles andere als selbstverständlich.
Am Ende sieht es eindeutig aus. Marlen Reusser gewinnt an ihrem 35. Geburtstag in Montreal das längste Frauen-Zeitfahren der WM-Geschichte und nimmt der zweitplatzierten Britin Zoe Bäckstedt auf den knapp 40 km gleich 40 Sekunden ab. Nach ihrem Triumph vor einem Jahr in Ruandas Hauptstadt Kigali krönt sich die Bernerin erneut zur verdienten Weltmeisterin.
Ein Selbstläufer? Keineswegs, findet Reusser. «Viele waren zuversichtlich, dass ich sowieso gewinne. Ich nicht so», sagte sie nach ihrer Goldfahrt. Zwar wusste die Titelverteidigerin um ihre gute Verfassung. «Ich habe eine gute Form und bin mega happy, dass das aufgegangen ist.» Eine Garantie war das für sie jedoch nicht.
Dafür gab es Gründe. Reusser war zwar als grosse Favoritin ins Rennen gegangen, der Parcours in Montreal war ihr aber nicht auf den Leib geschneidert. Der weitgehend flache Kurs verlangte mit seinen vielen Richtungswechseln und dem teilweise von Schlaglöchern gezeichneten Asphalt fahrtechnisch einiges ab. Reusser hätte eine Strecke mit einer Kombination aus flachen Passagen und Anstiegen bevorzugt.
«Ich bin nicht die beste Kurvenfahrerin, aber ich habe diese Aufgabe nicht schlecht gelöst», sagte die Bernerin. Dass sie auch auf einem Parcours triumphierte, der ihr nicht besonders entgegenkam, unterstreicht ihre Ausnahmestellung in dieser Disziplin. Seit ihrer Aufgabe an der WM 2023 im schottischen Stirling (wegen einer mentalen Blockade) hat Reusser jedes flache Zeitfahren gewonnen, zu dem sie angetreten ist.