Marinko Jurendic drückt zum Start den Finger in die Wunde
In den letzten Jahren hat Marinko Jurendic den Schweizer Fussball aus dem Ausland beobachtet. Was ihm dabei aufgefallen ist, bringt er nun als neuer «Chief Sports Officer» beim Verband ein.
Jurendic wurde in der Schweiz vor allem als Sportchef bekannt, unter dem der FC Zürich 2022 überraschend Meister wurde. Sein bewegter Werdegang erklärt auch seine Motivation für die neue Aufgabe.
Als achteinhalbjähriger Junge kam er aus dem damaligen Jugoslawien in die Schweiz. Damals, als er das, was er in der Schule verstand, zunächst in kyrillischer Schrift niederschrieb und zur «Begrüssung» von einem älteren Schüler vermöbelt wurde, fand er durch den Sport seinen Platz. Auf dem Pausenplatz spielte er mit seinen Mitschülern – oft mit Tennisbällen – Fussball, und Freundschaften entstanden.
Fussballerisch war er gut, aber nicht gut genug, um langfristig im Profitum Fuss zu fassen. So arbeitete er als Lehrer, studierte ohne Abschluss Jus und BWL und war für den Luzerner FDP-Politiker Otto Ineichen tätig. Im Fussball stieg er als Trainer von Kriens über Aarau zur U21 des FC Zürich auf, bei dem er später Sportchef wurde. Nach dem Meistertitel wechselte er zum FC Augsburg, wo er von 2023 bis zu seiner Freistellung 2025 tätig war.
Rückkehr zum SFV
Nun ist der 48-jährige Jurendic zurück beim Schweizerischen Fussballverband, wo er früher bereits in kleinerem Pensum in der Nachwuchs- und Talententwicklung tätig war. Dieses Mal als der Mann, bei dem im sportlichen Bereich alle Fäden zusammenlaufen. Eine neu geschaffene Stelle.
Was sie konkret beinhaltet, ist aufgrund der Breite schwierig fassbar. Wenn Verbandspräsident Peter Knäbel von einer «dynamischen, innovativen und effizienten» Sportorganisation spricht, die «mutige Visionen für die nächsten Generationen» entwickeln solle, klingt das so, als läse er aus einem Marketinghandbuch vor.