Lösungen, um Wohnraum für Ortsansässige zu schaffen
von Reto Nick, Geschäftsführer des Hauseigentümerverbands Graubünden
Das Problem Wohnraumknappheit ist nicht neu, aus verschiedenen Gründen hat es sich jedoch in den letzten Jahren akzentuiert. Die Annahme der Zweitwohnungsinitiative im März 2012 und die Revision des Eidgenössischen Raumplanungsgesetzes 2013 sind zwei wichtige Treiber dieser Problematik.
Ebenso hat die Tiefzinspolitik der Notenbanken mit den damit einhergehenden günstigen Finanzierungsmöglichkeiten von Immobilien das Problem verschärft. Nicht zuletzt war es die Pandemie sowie die Tätigkeiten im Homeoffice, welche die Nachfrage nach attraktivem, aber bezahlbarem Wohnraum befeuert hat. Das Problem der Wohnraumknappheit war absehbar.
Die Rolle der Gemeinden
Es ist Zeit zu handeln, allerdings gibt es keine Patentlösungen. Die örtlichen Verhältnisse in den verschiedenen Gemeinden präsentieren sich inhaltlich sehr vielschichtig, juristisch komplex und politisch delikat. Dennoch haben es die Gemeinden in der Hand das Problem anzugehen:
Wie eine Studie aus dem Oberengadin zeigt, ist offenbar in den Gemeinden mehr Bauland vorhanden, als allgemein angenommen. Es geht somit darum, dieses Bauland zu mobilisieren. Mit dem kantonalen Handbuch «Baulandmobilisierung und Ausgleich planungsbedingter Vor- und Nachteile» können die Gemeinden eine breite Palette an Massnahmen für eine aktive Boden- und Baulandpolitik anwenden.
Solche sind unter anderem der Kauf, der Verkauf sowie der Tausch von Grundeigentum. Auch die Zusammenarbeit mit Wohnbaugenossenschaften (respektive deren Förderung), Stiftungen und Bürgergemeinden zeigen Lösungsansätze auf. Massnahmen sollen gleichzeitig und koordiniert verfolgt werden. Wenn noch Baulandreserven vorhanden sind, kann eine Baulandmobilisierung auch über angepasste Zonenordnungen erreicht werden.
Ebenfalls in die Kompetenz der Gemeinde fallen baugesetzliche Erstwohnungsanteil- und Kontingentierungsregelungen, welche trotz Zweitwohnungsinitiative bei Umbauten, Wiederauf- oder Ersatzbauten zum Tragen kommen können.