Leider nicht für den Gast gedacht
Seit nun mehr als 31 Wintersaisons arbeite ich als Skilehrer in der Region Klosters/Davos. So manche Veränderung und Modernisierung hat man persönlich miterlebt, einige gute und einige weniger gute.
Auch zu Beginn dieser Saison habe ich auf dem Berg Veränderungen wahrgenommen, die ich aber ganz und gar nicht nachvollziehen kann. Es sind gleich deren vier:
1. Punkt
Die neue Übersichtskarte oben an den Pisten zielt völlig am Gast vorbei. Nach der Ankunft in der Bergstation bereiten sich die Skigäste meist noch im Gebäude aufs Skifahren vor. Schnallen der Skischuhe festziehen, Helm und Brille aufsetzen, Handschuhe anziehen, ja man packt sich richtig ein. Wenn man dann bereit ist, gehts hinaus in die Winterlandschaft, und man wirft einen Blick auf die Übersichtskarte, um kurz zu checken, welche Pisten offen sind und welche nicht. Was bis letzten Winter mit einem simplen Blick erledigt war, geht heute nicht mehr! Die grünen oder roten Leuchten auf der Karte sind verschwunden. Was bleibt, ist ein neumodischer QR-Code, super! Das bedeutet, Handschuhe in der klirrenden Kälte wieder ausziehen und das Smartphone aus der Tasche grübeln, QR-Code scannen und digital checken, welche Pisten nun offen sind. Funktion fehlgeschlagen, ich bin ja nicht online. Heute wird erwartet, dass jeder internationale Gast immer und überall online ist; das ist aber leider nicht der Fall. Wo im Hotel auf ein WLAN-Netz zurückgegriffen werden kann, steht der Gast sprichwörtlich da wie der Ochse am Berg. Digitalisierung sei Dank, der Schuss geht nach hinten los. Nebenbei wird die Aussentemperatur auch nicht mehr angezeigt, das wurde wohl wegrationalisiert.
2. Punkt
Auf derselben Übersichtskarte werden die beiden Talabfahrten nach Serneus und nach Küblis als gelbe Routen angezeigt, das ist neu und bedeutet für den Gast, dass diese beiden wunderschönen Abfahrten nicht mehr präpariert werden (vorher waren die beiden Talabfahrten als rote Pisten eingetragen, Anm. d. Red). Gelbe Routen sind markiert und gesichert, nicht aber präpariert. Dass diese Abfahrten in den letzten Jahren oft nicht präpariert werden konnten, da die Schneelage das nicht zuliess, ist verständlich. Dass man diese jetzt aber gleich ganz streicht, bedeutet eine Verminderung des Angebots. Obschon die legendäre Parsenn-Abfahrt vom Weissfluhgipfel bis nach Küblis mit Werbetafeln beworben wird, ist das für weniger geübte Pistenfahrer nun gar nicht mehr möglich, denn «gelb» heisst eben Tiefschnee fahren.