Kanton hat bewusst nicht informiert
In der Gemeinde Churwalden sind die Ortsansässigen verärgert. Vom lokalen Arzt über die Gemeindepräsidentin bis zu den Anwohnern fühlen sich alle brüskiert über die Nicht-Information des Kantons bezüglich des Corona-Ausbruchs im Jugendlager von Adonia in Parpan. Erst aus den Medien erfuhren sie am vergangenen Donnerstag vom Infektionsherd – obwohl der Kanton schon am Montag vor einer Woche im Bilde war.
«Was hätte es für einen Grund gegeben, die Gemeinde zu informieren?», fragt Rudolf Leuthold, Leiter des kantonalen Gesundheitsamts, rhetorisch. Die Kinder seien ja zum Zeitpunkt, als bei ihnen Covid-19 diagnostiziert wurde, gar nicht mehr im Lager gewesen. Dieses war am Samstag, 18. Juli, zu Ende gegangen. «Selbstverständlich hätten wir die Gemeinde informiert, wenn die Kinder noch vor Ort gewesen wären.»
Auf dem Spielplatz und im Laden
Anders sieht das Reto Bernhard, der seit 40 Jahren in Malix wohnt. Seine Tochter lebt in Parpan und hat ein vier Monate altes Baby. Er ist empört über die Nicht-Information gegenüber der Gemeinde. «Die Kinder des Lagers bewegten sich auf dem Parpaner Spielplatz und gingen im Dorfladen einkaufen», so Bernhard. Er ist besorgt über mögliche Ansteckungen im Ort und in der Umgebung.
Amtsleiter Leuthold entgegnet: Die Abklärungen des Kantons ergaben, dass eine mögliche Ansteckung bei der Parpaner Bevölkerung unwahrscheinlich war. Sprich: Die kranken Kinder und Betreuer hätten sich zu keinem Zeitpunkt länger als 15 Minuten mit weniger als 1,5-Meter-Abstand innerhalb der ortsansässigen Bevölkerung bewegt. «Hätten wir die Gemeinde frühzeitig informiert, wäre der Ausbruch schnell publik geworden», sagt Leuthold. «Das hätte nur unnötige Verunsicherung verursachen können.»
Gemeinde sei nicht betroffen
Nun griffen aber letzten Donnerstag mehrere News-Portale das Thema auf, und schon bald wurde bekannt: Das betroffene Jugendlager war in Parpan – obwohl der Kanton nur von einem «Musiklager im Raum Chur» sprach. Das führte dazu, dass Gemeindepräsidentin Margrith Raschein, die Bevölkerung und der Churwaldner Arzt Karl Mannhart vom Vorfall aus den Medien erfuhren – und nicht vom Kanton.