«Kann ich nach Peking fahren, gibt es eine Riesen-Party»
Steve Hiestand, dessen Mutter Brasilianerin ist, verdient seine Brötchen eigentlich als Sport-Diagnostiker und Personal-Trainer. Auf sportlich hohem Niveau war er schon seit seiner Jugend unterwegs. Der Entschluss, für seine zweite Heimat Brasilien als Ruderer an den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro teilnehmen zu wollen, entstand jedoch eher spontan bereits im Jahr 2012, als er zusammen mit einem Kollegen auf diese Idee kam. Zielstrebig, wie er ist, versuchte er, sein Ziel mit aller Konsequenz zu erreichen. Und siehe da: Es klappte mit der Qualifikation für das brasilianische Olympia-Ruderteam – wenn das Olympische Komitee nicht just in dieser Zeit neue Regelungen beschlossen und die Kontingente halbiert hätte. So durften statt vier nur zwei brasilianische Athleten in Rio starten, wobei die Startplätze ausgelost wurden – wobei das Glück Hiestand nicht hold war. «Für mich war die Situation wie eine Lehre ohne Abschluss», meint er auf Anfrage.
Langlauf als Kompromissentscheid
Er habe das Projekt nicht einfach aufgeben wollen, wo er doch so nahe drangewesen sei, weshalb er sich nach einer weiteren Möglichkeit umgesehen habe, seinen Traum in die Realität umsetzen zu können, so Hiestand weiter. Nach Rücksprache mit der Familie habe er sich dann für den Langlaufsport entschieden. Ein Gespräch mit dem Verbandsfunktionär im Sommer 2018 brachte den Stein ins Rollen. Jener knüpfte Kontakte zum brasilianischen Wintersport Verband CBDN, und nachdem dessen Entscheid positiv ausgefallen war, hatte Hiestand eine neue Aufgabe gefunden, der er sich mit aller Konsequenz widmen konnte. Mittlerweile ist er regelmässig im Weltcup und an Continentalcup-Rennen dabei, und im Juli dieses Jahres ist er nach Davos Dorf gezogen, um noch intensiver trainieren zu können. In der Trainingszelle Davos Klosters Nordisch arbeitet er unter Leitung von Guy Nunige intensiv an seinen technischen Fähigkeiten. Dort ortet er denn auch den grössten Unterschied zu den Top-Shots der Branche: «Die kommen unglaublich schnell den Berg hoch und sind auch nach 15 Kilometern immer noch gleich schnell unterwegs. Ich brauche im Vergleich zu ihnen zu viel Kraft, die mir dann jeweils auf den letzten Kilometern fehlt.» Guy Nunige sei ein harter Trainer: «Ich werde gleich behandelt wie die anderen, wesentlich jüngeren Gruppenmitglieder. Das bringt mich weiter», meint der 37-Jährige. Obwohl er sich an Wettkämpfen resultatmässig in den hinteren Regionen bewegt, orientiert er sich an Spitzenläufern wie Dario Cologna. «Man muss Vorbilder haben und sich Ziele setzen, nur so kommt man weiter. Zudem sind die Fortschritte messbar, was mich zusätzlich motiviert.» Dass er sich mit der Olympiateilnahme ein sehr hohes Ziel gesetzt hat, ist Hiestand bewusst: «Es gibt keinen höher eingeschätzten Sport-Grossanlass. Nur 10 500 Sportlerinnen und Sportler haben die Chance, ihre Nationen zu vertreten. Das ist eine riesige Ehre.»