Ist Cristiano Ronaldo «nur noch ein trauriger Schatten»?
Zu alt? Zu egoistisch? Cristiano Ronaldo ist bislang eine der WM-Enttäuschungen. Vor dem Spiel gegen Usbekistan steht der Altstar unter Druck. Da hilft auch sein Draht ins Weisse Haus nicht weiter.
Auf dem Weg zum Training kommt Cristiano Ronaldo an dieser Fussball-WM fast jeden Tag bei Donald Trump vorbei. Das Mannschaftshotel der Portugiesen und das Anwesen «Mar-a-Lago» des US-Präsidenten liegen nur knapp sieben Kilometer voneinander entfernt auf derselben schmalen Insel vor Palm Beach.
Mit zwei Mannschaftsbussen und mindestens sechs schweren Polizeifahrzeugen ist die portugiesische Kolonne dort immer unterwegs. Wenn die Delegation zu ihrem Trainingsplatz aufs Festland fährt, sieht es beinahe so aus, als hätte Trump Ronaldos Team ein paar seiner Sicherheitsleute zur Verfügung gestellt.
Wundern würde einen das wohl auch nicht mehr. Im vergangenen November lud der US-Präsident den Fussballstar ins Weisse Haus ein. Im Februar kreierte er ein TikTok-Video von sich und Ronaldo und nannte es «eine Botschaft vom einen GOAT zum anderen». GOAT bedeutet übersetzt: der Grösste aller Zeiten.
Verheerendes Medienecho
Davon ist an dieser Weltmeisterschaft bislang nichts zu sehen. Im Gegenteil: Vor Portugals zweitem Gruppenspiel am Dienstag gegen Usbekistan (19.00 Uhr Schweizer Zeit) steht der 41-jährige Ronaldo so stark unter Druck wie nur selten bei seinen mittlerweile sechs WM-Teilnahmen.
Ging es vor dem Turnier noch darum, dass er am Ende der älteste Weltmeister der Fussball-Geschichte werden könnte und werden will, ist die Frage jetzt eine andere: Verpasst da gerade jemand den richtigen Zeitpunkt für den Absprung?
«Cristiano Ronaldo wirkt wie ein trauriger Schatten des grossartigen Fussballers, der er einst war», schrieb «The Athletic». Oder: «Alles hat ein Ende. Man muss es nur akzeptieren», hiess es bei Calciomercato.com in Italien. Und das ist nur ein Teil des verheerenden Medienechos nach dem schwachen 1:1 gegen die Demokratische Republik Kongo.