Immer noch da: Giorgia Meloni knackt Italiens Regierungsrekord
Höchstens sechs Monate, dann sei Schluss – so lauteten nach Giorgia Melonis eigener Erinnerung die Prognosen für ihre rechte Regierung. Die Finanzkrise werde kommen, Italien auf internationaler Bühne komplett isoliert sein. «Und dann sind sie alle schweissgebadet aufgewacht», spottete die italienische Ministerpräsidentin schon vor knapp zwei Jahren über jene, die ihrer Regierung damals ein schnelles Ende prophezeiten.
Nun folgt eine historische Pointe: Am 4. September wird Melonis Regierung länger ununterbrochen im Amt sein als jedes andere Kabinett seit der Gründung der Republik 1946. 1.413 Tage sind seit der Vereidigung ihrer Mitte-rechts-Koalition am 22. Oktober 2022 vergangen. Damit löst sie Silvio Berlusconis zweite Regierung als bislang langlebigste ab. Berlusconi regierte von 2001 bis 2005 ganze 1.412 Tage.
Die 49 Jahre alte Meloni und ihre Koalition aus drei rechten und konservativen Parteien haben geschafft, was ihren Vorgängern selten gelang: Sie sorgen für Stabilität. Seit 1946 gab es 68 Regierungen, sie hielten im Schnitt nur 13 Monate.
Melonis Rekord betrifft allerdings nur die ununterbrochene Amtszeit eines einzelnen Kabinetts. Rechnet man mehrere Regierungen desselben Ministerpräsidenten zusammen, bleibt Berlusconi mit mehr als neun Jahren an der Spitze. Meloni steht in dieser Rangliste derzeit auf Platz sieben.
Früher «gefährlichste Frau Europas»
Die Politikerin und ihre Partei Fratelli d'Italia inszenieren dies als grossen Erfolg. Und tatsächlich kann Meloni auf eine aus ihrer Sicht ordentliche Bilanz verweisen: Seit fast vier Jahren regieren ihre Fratelli mit der Lega und Forza Italia durchaus stabil. Trotz Reibereien vor allem zwischen Lega und Forza Italia hält die Koalition. In den Umfragen liegt Meloni mit ihrer Fratelli bei etwa 27 Prozent und damit klar vor allen anderen Parteien.