«Ich habe jeden Spieler zuhause besucht»
Der Schweizer Nationalcoach Jan Cadieux steht als Nachfolger von Patrick Fischer vor einer Herkulesaufgabe. Er schätzt Fischer und dessen Philosophie, muss nun aber seinen eigenen Weg finden.
Der verlorene WM-Final in Zürich (0:1 nach Verlängerung gegen Finnland) lässt Jan Cadieux (noch) nicht los. «Ich denke fast jeden Tag daran», gesteht der Schweizer Eishockey-Nationalcoach bei einem Medientermin in Kloten. Die Gedanken kreisen nicht zuletzt darum, was der Coaching-Stab im Final hätte besser machen können.
Auch aus diesem Grund hat Cadieux eine veritable Tour de Suisse hinter sich. Er besuchte jeden Spieler des WM-Kaders und auch einige der verletzt Abwesenden persönlich zuhause. «Ich war immer etwas zu spät dran für die folgenden Termine, denn die Gespräche dauerten länger als gedacht», erzählt der in Freiburg aufgewachsene Kanada-Schweizer mit einem Lachen. «Das kürzeste dauerte 40 Minuten, das längste zwei Stunden.»
Unter anderem stellt sich Cadieux die Frage, ob man vielleicht auch beim Stand von 0:0 die Linien hätte umstellen sollen. Eine Erkenntnis nach den ausführlichen Gesprächen mit den Spielern lautet aber: «Wir waren fest vom Sieg überzeugt, auch in der dritten Pause vor der Verlängerung waren wir überzeugt, dass wir gewinnen werden. Im Betreuungsstab und bei den Spielern.» Die andere Erkenntnis: Alle Spieler gaben ihr Bekenntnis ab, in der Nationalmannschaft weitermachen zu wollen.
Neuanfang mit Bichsel
Dazu gehört nicht zuletzt auch Lian Bichsel. Der 22-jährige Solothurner mit dem Gardemass war von Patrick Fischer bis und mit der Heim-WM intern gesperrt worden, weil er zwei Aufgebote für die Junioren-Nationalmannschaft nicht wahrgenommen hatte. Nun wurde ein Schlussstrich unter die Sache gezogen, der Verteidiger der Dallas Stars steht wieder zur Verfügung, wenn dies vom Team her möglich. Cadieux traf sich gleich zweimal mit Bichsel, erst mit dem neuen Sportdirektor Patrick von Gunten zusammen, dann noch einmal alleine. «Es ging nicht um die Vergangenheit oder wer Schuld war», so von Gunten in Kloten.