Die Borkenkäfer lieben die warmen und trockenen Sommer im Glarnerland
Jedes Jahr veröffentlicht die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL einen umfangreichen «Waldschutzüberblick». Darin fasst die WSL die Rückmeldungen der kantonalen Forstdienste und eigene Beobachtungen und Studien zu einem Bild des Gesundheitszustandes der Schweizer Wälder zusammen. Im Jahr 2022 sei die Witterung eine grosse Herausforderung gewesen, schreibt die WSL. «Im warmen Frühling vertrockneten viele junge Douglasien. Sie begannen früh im Jahr mit der Fotosynthese, während sie aus dem noch gefrorenen Boden zu wenig Wasser ziehen konnten.» Und im Sommer hätten die Hitze und die Trockenheit das Wachstum aller Arten um bis zu 50 Prozent reduziert. Das wärmere Klima habe ausserdem auch indirekte negative Folgen, so die WSL weiter: «Ein wärmeres Klima fördert Pilze und andere Organismen, die aus südlicheren Gebieten stammen.» Heimische Pflanzen verfügten aber über keine oder nur begrenzte Abwehrmechanismen gegenüber den eingeschleppten Arten.
Der Glarner Kantonsoberförster Maurus Frei sagt zwar: «Im Grossen und Ganzen geht es dem Glarner Wald gut.» Aber durch und durch gesund sei er nicht. «Mir machen die Themen Klimawandel und Stickstoffdüngung die grössten Sorgen», so Frei.
Stickstoff lässt Bäume weniger wachsen
Die Düngung des Waldes mit Stickstoff geschieht nicht absichtlich. Pro Hektare und Jahr gelangen laut Maurus Frei über die Luft zwischen 10 und 40 Kilogramm Stickstoff aus Industrie, Verkehr und Landwirtschaft in den Wald. «Die übermässige Düngung lässt die Bäume aber nicht besser wachsen. Im Gegenteil, der Stickstoff macht den Waldboden saurer und die Wachstumsverhältnisse verschlechtern sich», so Frei. Bei der Buche sei nachgewiesen worden, dass die Düngung die Auswirkungen von Trockenphasen noch verstärke. Am stärksten von der Stickstoffdüngung betroffen sei der Wald in den Tallagen.
Seit dem Hitzesommer 2018, als in Glarus Nord die Buchen bereits im August braune Blätter gezeigt hätten, seien immer wieder längere Trockenphasen aufgetreten, so Frei. Die Wasserreserven im Wald seien gesunken und der Spielraum für das Überstehen weiterer Trockenphasen sei dadurch kleiner geworden. «Aktuell kann man in tiefen Lagen da und dort gelbliche Baumkronen beobachten. Das sind Buchen, die unter Wassermangel leiden.» Im Extremfall könnten sie absterben, so Frei. «Bei uns ist vor allem die Buche gefährdet.»