Früherer BLKB-Bankratspräsident äussert sich zum Radicant-Debakel
Der frühere Bankratspräsident der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB), Thomas Schneider, hat die unternehmerische Verantwortung für das Radicant-Debakel übernommen. «Unternehmerisches Risiko ist aber kein Fehlverhalten», sagte Schneider zur «Basler Zeitung».
Wer eine Bank weiterentwickeln wolle, müsse Entscheidungen treffen, deren Erfolg nicht garantiert sei, sagte Schneider in dem am Montag veröffentlichten Interview.
Das Geschäft der Online-Tochter Radicant habe sich schwieriger entwickelt als ursprünglich angenommen. Die Produkte und die Kundengewinnung mussten immer wieder angepasst werden, sagte Schneider. Das sei bei einem solchen Start-up üblich. «Am Ende blieb uns aber zu wenig Zeit», sagte der frühere BLKB-Bankratspräsident.
Radicant eingestellt
Die BLKB hatte im Sommer 2025 im Zusammenhang mit der Digitalbank-Tochter Radicant Abschreibungen in der Höhe von rund 105 Millionen Franken vornehmen müssen. Schneider sowie BLKB-CEO John Häfelfinger nahmen in der Folge ihren Hut.
Nachdem die Kundenzahlen unter den Erwartungen geblieben waren und nach der fehlgeschlagenen Übernahme des Fintechs Numarics beschloss die Bankführung Ende 2025 die Liquidation von Radicant. Seit dem Start der Online-Bank bis zum Abschluss der Liquidation dürften sich die Gesamtkosten für das Radicant-Abenteuer auf 180 bis 190 Millionen Franken betragen, wie die BLKB im März 2026 mitteilte.
Den Vorwurf, die BLKB habe sich verzockt, wies Schneider im aktuellen Interview zurück. «‹Verzockt› unterstellt, dass wir leichtfertig oder ohne sorgfältige Prüfung gehandelt hätten», sagte er auf eine entsprechende Frage. Prüfgesellschaften hätten eine ordnungsgemässe Geschäftstätigkeit bestätigt. Zudem haben die BLKB als auch Radicant unter Aufsicht der Finanzmarktaufsicht (Finma) gestanden, wie Schneider sagte.