Felssturz verfehlt Wanderer nur knapp – die Strasse bleibt trotzdem offen
Das hätte ein schlimmes Ende nehmen können: Auf der Betliserstrasse bei Weesen sind mehrere Personen Anfang Woche Zeugen eines Steinschlags geworden. «Fünf Mitglieder einer Familie waren in unmittelbarer Nähe», bestätigt Amdens Gemeindepräsident Markus Vogt. Die Betliserstrasse liegt auf Ammler Gemeindegebiet. «Gott sei Dank sind alle unverletzt, es war aber ein grosser Schock für sie», sagt Vogt. Die Familie habe riesiges Glück gehabt.
Auf der Strasse liegen geblieben
Laut Geologe David Imper brachen bis zu zwei Kubikmeter Stein aus einer Felswand. Das entspricht dem Volumen von zweieinhalb Müllcontainern. Die Wand, aus der das Geröll kam, liegt nicht direkt an der Strasse, zwischendrin ist ein Wäldchen, das eine Art Stufe bildet. «Die Steine sind zuerst in diesem Bereich aufgeschlagen und dann auf einer Breite von bis zu sieben Metern auf der Strasse liegen geblieben, zusammen mit Holz und Kies», sagt Vogt. Ein Teil des Materials sei in den Walensee gefallen.
Weniger als zwei Stunden nach dem Abbruch sass Vogt mit Geologe David Imper bereits im Helikopter, um sich die Abbruchstelle genauer anzusehen. «Der Fels brach an einer Stelle ab, wo wir das bei diesem Wetter und zu diesem Zeitpunkt nicht erwartet hätten», sagt Imper. An der Abbruchstelle seien Erde und Wurzeln zu sehen. «Möglicherweise stand dort ein Baum, der vom Wind bewegt wurde und deshalb den Abbruch verursacht hat.»
Laut Vogt hat das Forstamt am Dienstag den beschädigten Wald aufgeräumt. Imper ergänzt, es sei auch ein Bergführer mit einem Brecheisen unterwegs gewesen, um lose Steine zu entfernen. Die Strasse sei zeitweise gesperrt worden.
Nie ohne Risiko
Einen Grund, die Strasse nach Betlis nun komplett zu sperren, sieht Vogt nach dem neuerlichen Felsabbruch nicht. Er bestreitet aber nicht, dass es für Wanderer ein gewisses Risiko gibt: «Es ist und bleibt eine Gebirgsstrecke.» Eine von Geologe Imper mitverfasste Gefahren- und Risikoanalyse habe 2017 aber ergeben, dass das Risiko gering sei, von einem Stein getroffen zu werden. Von Imper klingt es ähnlich: «Wenn es einmal im Jahr ein Ereignis gibt, das einen Wegabschnitt während einiger Sekunden gefährdet, ist die Wahrscheinlichkeit sehr niedrig, dass genau dann gerade dort Leute sind.» Er selber werde auch weiterhin mit seiner Familie nach Betlis wandern.