Mediensprecher Christian Gartmann zum Brienzer Felssturz: «Wir haben es gehört, aber nicht gesehen»
Christian Gartmann, wir erhielten die Meldung, dass kurz vor Mitternacht die Phase Blau ausgerufen wurde ...
Ja das ist richtig. Die Geologen und Naturgefahrenexperten haben den Gemeindeführungsstab am späten Donnerstagabend informiert, dass die Geschwindigkeit in der «Insel» oberhalb von Brienz/Brinzauls regelrecht explodiert ist. Wir sehen jetzt Geschwindigkeiten von 40 Meter pro Tag betragen. Das ist eine zehn- oder fünfzehnfache Geschwindigkeit seit Donnerstagmorgen. Allerdings sehen wir in der Nacht nicht in den Hang und wissen nicht genau, was dort vor sich geht. Aber es klingt nach einem grossen Ereignis. Weil wir nicht ausschliessen können, dass das Ereignis auch die Kantonsstrasse zwischen Tiefencastel und Surava sowie Lenzerheide und die Albulalinie der Rhätischen Bahn erreicht, haben wir diese Strecken kurz vor Mitternacht gesperrt. Die Phase Blau in Brienz hat also angefangen.
Ist das jetzt einfach mal eine «nächtliche Sicherheitssperrung», weil man über Nacht nicht in das Rutschgebiet hinein sehen kann, was da genau passiert?
Die Phase Blau ist sowieso eine Sicherheitsmassnahme. Die Wahrscheinlichkeit, dass Felsmassen die unteren beiden Verkehrswege erreichen, ist klein. Aber trotzdem dürfen wir keine Kompromisse eingehen, wenn es um die Sicherheit geht – vor allem in der Nacht nicht. Wir hören zwar, dass etwas sehr grosses im Gang ist, aber können nicht sagen, in welchem Ausmass. Deshalb ist die Sicherheitssperre bis auf Weiteres im Gang.
Aber könnte es sein, dass am Freitag tagsüber die Phase Blau wieder aufgehoben wird, weil man die Lage tagsüber besser beurteilen kann?
Wenn wir sehen sollten, dass keine Gefahr für die Verkehrswege besteht, wird der Gemeindeführungsstab das bestimmt in Erwägung ziehen. Wir wollen mit solchen Verkehrsbehinderungen möglichst wenig die gesamte Umgebung, Region und der Kanton beeinträchtigen. Und dennoch müssen die Strecken gesperrt werden, bis sie wieder sicher sind.