EU-Bericht: Drogenmafia setzt verstärkt Jugendliche ein
Europas Drogenbanden setzen zunehmend Jugendliche für den Handel mit Rauschgift, aber auch für Gewalttaten ein. Junge Menschen vor allem aus sozial benachteiligten Vierteln würden von der Mafia für Einschüchterungen, Körperverletzungen und sogar als Auftragskiller angeworben, heisst es im Jahresbericht 2026 der EU-Drogenagentur (EUDA). Kriminelle Hintermänner stellten Planung, Waffen, Geld und Transport bereit.
Die Anwerbung im Rahmen von sogenannten Gewalt-als-Dienstleistung-Modellen läuft nach Angaben der Experten teilweise über soziale Medien. Diese Entwicklung ist nach Einschätzung der Behörde mit Sitz in Portugals Hauptstadt Lissabon Teil eines komplexer und gefährlicher werdenden Drogenmarktes, auf dem immer neue und oft hochwirksame Substanzen auftauchen.
Neue Substanzen und traditionelle Drogen
Neue Substanzen kommen in hoher Geschwindigkeit auf den Markt, während traditionelle Drogen wie Cannabis, Kokain und Heroin weiterhin weit verbreitet sind. Im vergangenen Jahr wurden in Europa erstmals 50 neue psychoaktive Substanzen registriert. Insgesamt überwacht die Agentur inzwischen 1.050 solcher Stoffe.
«Die Drogenmärkte entwickeln sich rasant weiter, und die Vielfalt der Substanzen auf den Strassen Europas wird immer unvorhersehbarer», warnte EUDA-Direktorin Lorraine Nolan. Dadurch steige das Risiko, dass Menschen hochwirksame Drogen konsumierten, ohne dies zu wissen.
Tausende Drogentote in Europa
Sorge bereiten den Experten vor allem neue synthetische Opioide. Diese hochwirksamen Stoffe können bereits in geringen Mengen lebensgefährlich sein. Opioide, meist in Kombination mit anderen Substanzen, sind nach wie vor die häufigste Ursache drogenbedingter Todesfälle in Europa. Die EUDA schätzt, dass es 2024 mindestens 7.600 Todesfälle (2023: knapp 7.500) durch Überdosierung gab, bei denen grösstenteils mehrere Substanzen im Spiel waren. Mit 1.912 entfiel ein Viertel aller registrierten Todesfälle auf Deutschland.