«Es geht um komplexe Behandlungen mit kleinen Fallzahlen»
Warum wollen beide Appenzell, St. Gallen, Graubünden und Glarus zusammenarbeiten? Aus Glarner Sicht hätten sich vielleicht ja auch die Nachbarkantone Uri und Schwyz angeboten? Mit Uri haben wir keine Berührungspunkte; mit Schwyz sind gewisse im stationären Bereich mit dem Spital Lachen auszumachen. Das ist aber der einzige Berührungspunkt. Mit Graubünden und dem dortigen Kantonsspital arbeiten wir schon länger intensiv zusammen, und mit St. Gallen haben wir diverse Berührungspunkte. So lässt sich die Bevölkerung am Kerenzerberg zum Beispiel häufig im Spital Walenstadt behandeln, und wir beobachten Patientenströme aus dem Glarnerland ins Spital Uznach. Mit den beiden Appenzell sind die Berührungspunkte eher klein. Mit allen fünf Kantonen sind wir aber auch in der Gesundheitsdirektorenkonferenz Ost. Wir wollen uns an den funktionalen Räumen orientieren, in die unsere Haupt-Patientenströme fliessen.
Aber braucht Glarus diese Zusammenarbeit überhaupt?
Wir brauchen sie vor allem im spezialisierten Bereich. Die Grundversorgung – und das gilt für alle fünf Kantone – müssen wir überall gewährleisten. Das steht auch im Gesundheitsgesetz. Wir haben von der Landsgemeinde den Auftrag, alle Leistungen im Kantonsspital zu erbringen, welche die Bevölkerung im grösseren Ausmass nachfragt. Aber es gibt eine Reihe von spezialisierten Therapien oder Behandlungsmöglichkeiten, bei denen wir wenige Fallzahlen haben, für die wir eine Zusammenarbeit brauchen.
Diese soll aber nicht zu mehr, sondern zu gleich vielen Fallzahlen führen, trotzdem soll gespart werden. Wie geht das auf? Weil wir heute die Situation haben – auch wenn das nicht gerne gehört wird – dass wir eine Überversorgung haben. Fachgesellschaften von Ärzten sagen, dass 20 bis 30 Prozent der durchgeführten Behandlungen oder Therapien in der Schweiz den Patienten letztlich gar nichts nützen, ihnen keine höhere Lebensqualität bringen. Wir müssen diese Überbehandlung darum in den Griff bekommen, indem wir das mit den anderen Kantonen koordinieren. Wenn wir das alleine tun, wird andernorts vielleicht eine Rückenoperation durchgeführt, weil dort gerade ein Bett frei ist, dem Patienten das aber gar nichts bringt. Das ist das grosse Problem im Gesundheitswesen.