Ein richtiger «Clan»: diese Emser Familie umfasst vier Generationen
Von Cindy Ziegler
Im Jahr 1922 wurde die erste Person mit Diabetes mellitus mit Insulin behandelt und die Sportart Wasserski erfunden. 1953 wurde die «Augsburger Puppenkiste» erstmals ausgestrahlt und Queen Elisabeth II. stieg auf den britischen Thron. 1974 gewann die Band ABBA mit «Waterloo» den Eurovision Song Contest und der VW Golf kam auf den Markt. 2006 wurde Wikileaks gegründet und Pluto verlor den Planetenstatus. 84 Jahre liegen zwischen dem ersten und dem letzten dieser Ereignisse. 84 Jahre, die auch Johann Manhart und Tamara Gambon trennen. Er Grandtat, sie Urenkelin. Er bald 103, sie knapp 19.
Im Hier und Jetzt sitzen sich die beiden in der Cafeteria des Altersheims in Domat/Ems gegenüber. Neben Johann Manhart seine Tochter Esther Gambon-Manhart und neben Tamara Gambon ihre Tante Petra Federspiel-Gambon. So kompliziert, wie es auf den ersten Blick scheint, ist die Verwandtschaftsbeziehung gar nicht. Umso besonderer dennoch. Denn der Älteste am Tisch ist fünffacher Vater, siebenfacher Grossvater und hat sieben Urenkelkinder. Und auch wenn Hör- und Sehsinn nachgelassen haben, funktioniert das Gedächtnis des über 100-Jährigen noch einwandfrei. Er beginnt zu erzählen und seine Tochter, seine Enkelin und seine Urenkelin hören ihm gerne zu.
42 Jahre und 18 Tage
Johann Manhart kommt 1922 mit einem Zwillingsbruder auf die Welt. 1937 kommen die beiden Buben aus der Schule und beginnen in der Spinnerei Murg als Putzbuben. Sie verdienen 30 Rappen pro Stunde. Als der Zweite Weltkrieg ausbricht, standen die Maschinen in der Spinnerei still. «Die Direktion nahm uns Bürschchen an die Maschinen und lernte uns schnell, schnell an», erzählt Johann Manhart. Die neue Arbeit gibt 90 Rappen pro Stunde. Irgendwann mussten dann auch die Zwillinge ins Militär und später begann Johann Manhart in der heutigen Ems Chemie. Er weiss noch genau, an welchem Tag und zu welcher Uhrzeit er dort vorstellig wurde. Am Schluss wurden daraus 43 Jahre und 18 Tage, die er dort arbeitete. Er berichtet von vielen Auslandsaufenthalten in Indonesien, China, England und Belgien. «Ich war keinen einzigen Tag krank und arbeitete auch einige Jahre über das Pensionsalter hinaus.» Bis er 96 Jahre alt war, fuhr er mit dem Töffli durchs Dorf und lebte bis ins hohe Alter noch selbstständig im eigenen Haus.