Ein kompliziertes Jahr findet ein Happy End
Samuel Giger feiert mit seinem zweiten Sieg am Kilchberger Schwinget einen seiner grössten Siege. Es ist der gelungene Abschluss einer schwierigen Saison.
Im Vorfeld des Saisonhöhepunkts gab es viele Fragezeichen hinter Samuel Giger. In welcher Verfassung würde sich der Thurgauer Modellathlet nach mehrmonatiger Verletzungspause zurückmelden? Würde die lädierte Schulter der Belastung standhalten? Könnte der 28-Jährige gar um den Sieg mitreden?
Der Samstag auf dem Hof Stockengut oberhalb des Zürichsees lieferte Antworten auf diese Fragen. Und er tat dies mit dicken Ausrufezeichen. Mit zwei Siegen in den ersten beiden Gängen wischte Giger alle vorhandenen Fragezeichen über seine körperliche Verfassung weg. «Ich konnte das Vertrauen in mir drin bündeln, dass es gut kommt, ich bereit bin und meine Schulter hält», sagte Giger. Aufkommende Zweifel nach der Niederlage vor dem Mittag gegen Michael Ledermann erstickte er mit drei Maximalnoten in der zweiten Wettkampfhälfte im Keim.
Die pure Entschlossenheit
Klar, Giger wurde von der Einteilung insbesondere im 1. und 4. Gang nicht allzu hart angefasst. Matthias Aeschbacher war zum Start ein dankbarer – Kritiker würden sagen: zu leichter – Gegner. Patrick Betschart nach dem Mittag ebenfalls. Giger bezwang sie. Wie am Morgen auch Sinisha Lüscher. Das Meisterstück lieferte er schliesslich im 5. Gang ab, als er mit Michael Moser jenen Berner Mitfavoriten wuchtig ins Sägemehl bettete, der ihn vor einem Jahr am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest am Rand einer Niederlage hatte.
Der Samstag lieferte nicht nur Antworten auf Fragen, sondern auch Bilder für die Ewigkeit. Giger neben Siegermuni «Ultimo». Giger beim Siegesjubel. Giger, wie er sich inmitten seiner Ostschweizer Verbandskollegen ungläubig an den Kopf fasst. Giger, wie er im Schlussgang gegen Marcel Bieri zum entscheidenden Kurzzug ansetzt – ein bildliches Synonym für Entschlossenheit.
Der Sieg Gigers war auch einer des Nordostschweizer Teilverbandes. Wie schon vor einem Jahr in Mollis schwang einer der ihren obenaus. Die Dominanz in Kilchberg war nicht so erdrückend wie am ESAF. Doch Schlegel, Orlik und Co. reagierten als Mannschaft auf die Klatsche beim letzten Bergkranzfest auf der Schwägalp, wo sie von den Bernern dominiert wurden – und sie schlugen in Person von Giger zurück. «Es brauchte heute alle 16 Teilnehmer aus unserem Verband, jeden einzelnen Gang. Es war eine Teamleistung. Ich habe meinen Teil dazu beigetragen, indem ich meine Gänge gewonnen habe.»