Die USA haben nichts gelernt aus dem Krieg in der Ukraine

von Viktor Schewtschuk
Menschen können arrogant sein, und das Militär ist traditionell konservativ. Und so waren vier Jahre Krieg Russlands gegen die Ukraine und den Westen für die jetzt den Iran angreifende Koalition keine Lektion über neue technologische Kriegsführung. Jetzt stellen die USA und ihre Verbündeten im Nahen Osten fest, dass es nicht sinnvoll ist, billige Drohnen mit teuren Luftabwehrraketen abzuschiessen. Polens Erfahrungen im Kampf gegen russische Drohnen mit F-35-Jets wurden nicht ernst genommen – ganz zu schweigen von den Erfahrungen der Ukraine.
Jetzt erst erkennen die USA, dass Drohnen vom Typ Schahed eine Herausforderung darstellen, da sie niedrig und langsam fliegen und daher nur schwer mit Radargeräten zu orten sind. Die Iraner setzen massenhaft Mittelstreckendrohnen ein – der asymmetrische Krieg steht vor der Tür.
Die Theoretiker, die sich auf das klassische Nato-Konzept der Luftüberlegenheit und des kontaktlosen Krieges verlassen haben, stehen vor schwierigen Fragen. Da die Vorräte an hochpräzisen US-Raketen zur Neige gehen, könnte sich die Frage nach dem Beginn einer Bodenoperation stellen. Oder die Amerikaner steigen auf wesentlich kostengünstigere Gleitbomben um.
Die Ukraine könnte in dieser Geschichte gleichzeitig verlieren und gewinnen.
Andererseits könnten dem Iran die Vorräte an ballistischen Raketen ausgehen. Es ist also noch viel zu früh, um über den Ausgang der amerikanisch-israelischen Aggression zu urteilen. Es wird noch einige Wochen dauern, bis sich zeigt, ob Donald Trump mit einer kurzen Militäroperation aus dieser Geschichte herauskommt oder ob Amerika in einen weiteren längeren Krieg verwickelt wird. Aber einige Fakten sind bereits geschaffen worden.
- Erstens führen die reichen muslimischen Länder des Nahen Ostens Krieg gegen ein anderes muslimisches Land – den Iran.
- Zweitens hat die Nato ihre Bewährungsprobe nicht bestanden. Trump hat diese Operation nicht in Zusammenarbeit mit den anderen Nato-Mitgliedern geplant. Durch sein einseitiges Handeln wird die Spaltung zwischen den USA und den europäischen Nato-Mitgliedern noch deutlicher.
Die Europäer vertreten unterschiedliche Positionen. Der deutsche Bundeskanzler hat den Krieg unterstützt. Der spanische Ministerpräsident und der französische Präsident sprechen sich dagegen aus. Darüber hinaus hat Spanien die Zusammenarbeit mit den USA bei der Nutzung seiner Militärstützpunkte abgelehnt. Spanien plädiert für Frieden in einer abstrakten, extremsten Form. Ähnlich wie die Hippies in den späten 1960er-Jahren. Früher mochte ich diese bedingungslose Friedensliebe, aber heute nicht mehr. Jeder Krieg muss unter seinen spezifischen Bedingungen beurteilt werden.