Die Schweizer suchen die direkte Rehabilitation
Das Schweizer Nationalteam träumt von der besten WM aller Zeiten. Gegen Bosnien-Herzegowina muss die Mannschaft in der Stadt der Sterne beweisen, dass die Ambitionen real sind.
«Ist das der Anfang von etwas Wundervollem – oder nur ein weiterer Traum, den ich nicht verwirklichen kann?» Das fragt sich Sebastian Wilder im Lied «City of Stars», als er auf dem Pier von Hermosa Beach tanzt und singt. Der von Ryan Gosling gespielte Protagonist im Film «La La Land» projiziert viele seiner Hoffnungen und Träume auf die Stadt Los Angeles.
Unweit des Piers, auf dem Weg ins Herz der Metropole, liegt Inglewood. Ein Ort, der mitunter für den Laden «Randys Donuts» respektive für die gut 10 Meter hohe Donut-Statue auf dem Dach bekannt ist, die in mehreren Filmen und Serien vorkommt.
Vor allem aber ist Inglewood eine Sportstadt, Heimat des eindrücklichen SoFi-Stadiums. In der 2020 eröffneten Arena, deren Bau gut fünf Milliarden Franken kostete und die rund 70'000 Fans Platz bietet, geht es am Donnerstag für das Schweizer Nationalteam ebenfalls um die Frage: Beginnt nach dem verstolperten Start vielleicht hier die erhofft grosse Geschichte?
Zwischen Demut und Zuversicht
Denn eigentlich sollte das Turnier doch «die beste WM einer Schweizer Nati» werden, wie Spieler und Trainer vor der Reise in die USA mantraartig wiederholten und damit den Massstab entsprechend hoch setzten.
Der erste Versuch, die angesagte Höhe zu erreichen, missglückte mit dem 1:1 gegen Katar jedoch gründlich. Statt mit breiter Brust zurück ins Basecamp nach San Diego zu reisen, war in den letzten Tagen Demut angesagt. Man müsse auf den Boden der Tatsachen zurückkommen, Träumereien einstellen und wieder hart an sich arbeiten. So lautete der Tenor.
Gleichwohl haben die Spieler, das merkte man ihnen an, das Selbstvertrauen nicht verloren. Ob Manuel Akanji, Ruben Vargas oder Fabian Rieder: Wer auch immer sich in den letzten Tagen äusserte, drückte neben der Selbstkritik auch Zuversicht und Vorfreude aus. Die Schweizer suchen die direkte Rehabilitation, wollen beweisen, dass sie nicht umsonst als klarer Gruppenfavorit gehandelt wurden. «Wir wollen den Fans hier und in der Schweiz etwas zurückgeben», sagte etwa Rieder. «Zeigen, dass wir da sind und uns über 90 oder noch mehr Minuten zerreissen.»