Die Rega-Crew trifft keine Schuld am Helikopterunfall
Der 28. Juni 2015 war ein Sonntag. Ein Helikopterpilot der Rega, ein speziell für Helikoptereinsätze geschulter Rettungsassistent und ein Arzt treten ihren Dienst um 8 Uhr auf der Basis der Schweizerischen Rettungsflugwacht auf dem Flugplatz in Mollis an. Es ist ein sonniger, eher ruhiger Tag. Der damals 50-jährige Schweizer Pilot, der 47-jährige Schweizer «HCM» (Helicopter Emergency Medical Services Crew Member) und der 34-jährige deutsche Arzt werden am Vormittag nur zu einem sogenannten Sekundäreinsatz gerufen, einem Verlegungsflug von Spital zu Spital.
Dann macht das Team Pause. Ihr Mittagessen kann die Besatzung noch in Ruhe beenden. Doch kurz vor 13 Uhr wird sie von der Rega-Zentrale alarmiert. Wie das «bei einer solchen Alarmauslösung üblich» sei, steht im Schlussbericht der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust), «wurden der Besatzung nur das ungefähre Einsatzgebiet, der Raum Speer, und ganz knapp der medizinische Sachverhalt mitgeteilt». Laut diesem geht es um eine bewusstlose Person, die möglicherweise reanimiert werden muss. Die Crew besteigt ihren Helikopter, eine zweimotorige Agusta Westland des italienischen Herstellers Leonardo, und fliegt um punkt 13 Uhr los. Kaum in der Luft, erfährt sie ihr Ziel: die Alp Oberkäseren in Amden.
In rund sechs Minuten vor Ort
Der Flug verläuft ruhig, und vor Ort wird das Rettungsteam bereits erwartet. Es kommt um 13.06 Uhr dort an. Südwestlich der Alphütte will eine Person den Helikopter auf einen Platz einweisen, der etwa 20 Meter unterhalb der Terrasse liegt. Das ist dem Piloten und seinen Kollegen zu nah. «Als sich der Helikopter im Endanflug befand», steht im Sust-Bericht, «entschied die Besatzung aufgrund der Nähe des Landeplatzes zur Terrasse, der sich dort aufhaltenden Personen sowie der engen Platzverhältnisse», einen anderen Landeplatz zu suchen.
Heli stösst in Telefonleitung
Alternative Landeplätze gibt es im steilen Gelände jedoch nur wenige. Der Pilot steigt einige Meter hoch, dreht die Nase des Helikopters nach rechts und fliegt südöstlich um die Alphütte, um auf deren Ostseite nach einem geeigneten Landeplatz Ausschau zu halten. Fündig wird er nordöstlich der Hütte. Diesen Platz fliegt er laut Bericht «leicht rechts schiebend, im langsamen Vorwärtsflug und leicht sinkend» an. Da kracht es.