Die Dernière von Didier Deschamps mit den Bleus
Zum letzten Mal führt Didier Deschamps Frankreich durch ein grosses Turnier. Für den geplanten krönenden Abschluss in diesem Sommer steht ihm ein spektakuläres Team zur Verfügung.
An Auffahrt gab Didier Deschamps bekannt, welche 26 Spieler mit ihm an die Weltmeisterschaft reisen. Zur besten Sendezeit, beim grössten französischen TV-Sender zählte der 57-Jährige in nüchternem Tonfall die Stars auf. Das Beste zum Schluss: Ousmane Dembélé, Désiré Doué, Kylian Mbappé, Michael Olise. Insgesamt 1,3 Milliarden Franken in den Händen des «Sélectionneurs», der seit Längerem bei den französischen Fussballfans zwiespältige Gefühle weckt.
So klingend die Namen der Spieler sind, so unauffällig ist der Mann, der sie aufgeboten hat. Rein äusserlich würde man Deschamps eher in die Kategorie Buchhalter oder Beamter einordnen. Auch seine Aussagen sind unspektakulär, jedes Wort ist sorgfältig gewählt und ausgesprochen. Der Nachrichtensprecher und Deschamps sind sich erstaunlich ähnlich im Aussehen und in der Wortwahl.
Die gut fünf Millionen TV-Zuschauer, die das «Journal de 20 Heures» verfolgen, müssen sich mehrheitlich mit dem Wesentlichen zufrieden geben. Immerhin geht Deschamps kurz darauf ein, was es heisst, eine solche Liste zusammenzustellen und Spieler zu enttäuschen, wie etwa die verdienten, aber nicht aufgebotenen Eduardo Camavinga und Randal Kolo Muani: «Ich bin auch nur ein Mensch und habe Gefühle.»
Ein Gespür für den erfolgreichen Weg
Ein Showman ist Didier Deschamps nicht. Das wissen die Franzosen längst, und es wäre ihnen egal, wenn er dafür ein Produzent mit dem Flair für das Spektakuläre wäre. Wie kaum ein anderer Trainer steht der abtretende Nationalcoach aber für ereignisarmen, am Resultat orientierten Fussball. Die Kritik an dieser Einstellung wuchs zuletzt von Jahr zu Jahr, der Ruf nach dem viel beliebteren, designierten Nachfolger Zinédine Zidane wurde immer lauter. Der Rücktritt nach der WM, den Deschamps bereits vor anderthalb Jahren bekannt gegeben hatte, kam halb freiwillig, halb erzwungen.