Des Sportverkäufers Freude ist des Naturschützers Leid
Derzeit stehen viele Leute auf die hiesigen Seen. Ob mit Hund, Kind oder Kühlbox – die Paddler auf ihren Brettern sieht man in allen möglichen Kombinationen. Den Trend des Stand-up-Paddlings (SUP) bestätigen zwei Pioniere aus dem Linthgebiet: «Wir können jetzt schon sagen, dass das unsere beste Saison wird», sagt Michi Seliner. Seit neun Jahren führt er an der Weesner Gäsistrasse eine SUP-Vermietstation, die erste überhaupt in der Deutschschweiz.
Von Anfang an dabei war auch das Schmerkner Sportgeschäft Kustersport. In der Kanubranche seien sie anfangs belächelt worden, nun würden die SUP einen grossen Bestandteil des Geschäfts ausmachen, sagt Geschäftsführer Reto Kuster. «Der Boom ist noch grösser als 2011.» Damals erfasste der Trend aus den USA in einer ersten Welle die Schweiz. Seither habe die Nachfrage nicht abgerissen, so Kuster. Die beschränkten Möglichkeiten wegen Corona würden den SUP heuer gar einen Extraschub verleihen, ergänzt der Schänner Seliner. Vor allem, weil der Sport gesund, die Einstiegsschwelle dafür tief und ein SUP erschwinglich sei – Komplettsets sind ab 230 Franken erhältlich.
Bedrohtes Brutgeschäft
Mit der Erfahrung der beiden SUP-Pioniere können die wenigsten mithalten. Seliner sieht darum auch Schattenseiten des Trends: «Jene, die ihr Brett im Internet kaufen, sind null informiert.»
Am oberen Zürichsee führt das zu Problemen. Hier gibt es in Ufernähe viele gelb markierte Naturschutzzonen. Jean-Marc Obrecht, Präsident des Vereins Natur Rapperswil-Jona, beobachtet, dass viele SUP die Naturschutzzonen regelmässig missachten. Das sei keine gute Entwicklung. «Diese Zonen sind dazu da, die Vögel zu schützen. Wiederholte Störungen führen dazu, dass Vögel dort kein Brutgeschäft beginnen», so Obrecht. Im schlimmsten Fall müssten die Vögel die Brut sogar abbrechen.
Der SUP-Trend ist genau in diese Brutzeit der Wasservögel gefallen. Diese dauert gemäss Obrecht von etwa April bis Juli. Das Ganze verschärft sich noch, gemäss den Aussagen von Arno Puorger vom kantonalen Amt für Natur, Jagd und Fischerei (ANJF): «Die Stand-up-Paddler können in bislang wenig gestörte Ecken vordringen.»