Der verpasste Moment ärgert Marlen Reusser
Marlen Reusser fehlen im WM-Strassenrennen in Montreal nur vier Sekunden zu Bronze. Die Zeitfahr-Weltmeisterin hadert nach dem verpassten WM-Double mit einem Fehler in der Verpflegungszone.
Bis kurz vor der Ziellinie kämpfte Reusser um ihre dritte Medaille an diesen Weltmeisterschaften nach Gold im Einzelzeitfahren und Bronze im Mixed-Teamzeitfahren. Vor ihr fuhr Elisa Longo Borghini mit wenigen Metern Vorsprung Bronze entgegen. Reusser versuchte, die Italienerin auf der ansteigenden Zielgeraden noch abzufangen. Als klar wurde, dass die Lücke nicht mehr zu schliessen war, richtete sich die Bernerin auf und nahm Tempo heraus.
Vier Sekunden fehlten ihr letztlich zum Podest, acht zum WM-Titel. Statt des erhofften Doubles nach der erfolgreichen Titelverteidigung im Einzelzeitfahren blieb ihr der undankbare 4. Rang. Mehr als die wenigen Sekunden beschäftigte sie unmittelbar nach dem Rennen jedoch eine Situation 38 km vor dem Ziel.
Ein Fehler mit Folgen
«Ich habe den entscheidenden Moment verpasst. Ich hatte dort gerade ein Problem mit meinen Flaschen. Ich musste mich unbedingt verpflegen und war schlecht positioniert», erklärte Reusser im SRF-Interview.
Ausgerechnet in diesem Moment sprengte Puck Pieterse mit einer Tempoverschärfung die Gruppe der Favoritinnen und lancierte damit ihre niederländische Teamkollegin Demi Vollering. Die spätere Weltmeisterin setzte sich ab, dahinter orchestrierte Reusser die Verfolgung der Wahlschweizerin.
«Ich bin vor allem auf mich selbst stinksauer, weil ich die entscheidende Attacke verpasst habe», zeigte sich Reusser selbstkritisch. Die neue Rennsituation zwang sie zum Handeln. In der achtköpfigen Verfolgergruppe musste sie viel in die Nachführarbeit investieren. «Ich wusste, wenn ich nicht fahre, fahren auch die anderen nicht. Es ist ein Teufelskreis.»