Der Tänzer von St. Gallen ist weg – und lebt jetzt in Georgien
Andrzej Weber erlangte als «Tänzer von St. Gallen» Bekanntheit und gehörte schon fast zum Stadtbild. Doch plötzlich schien die St. Galler Altstadt nicht mehr länger seine Tanzfläche zu sein. Wo ist der Mann mit dem ansteckenden Lächeln geblieben?
Er tanzte bei Regen, Sonne und mitten im Berufsverkehr durch St. Gallen – mit grossen Kopfhörern und einem Lächeln, das ansteckend wirkt. Andrzej Weber, 68, war lange Zeit eine feste Grösse in St. Gallen. Der «Tänzer von St. Gallen» bewegte sich durch die Altstadt und die Quartiere, die Stadt war seine Bühne. Die halbe Stadt kannte ihn, manche nickten anerkennend, andere filmten ihn, wieder andere tanzten kurz mit, wenn sie ihn sahen. Durch ein Porträt im «St. Galler Tagblatt» kannten ihn plötzlich auch Leute ausserhalb der Kantonshauptstadt.
Hinter der unbeschwerten Lebensfreude steckt eine schwere Geschichte. Nach einem «Blackout», wie Weber es nennt, fand er im Tanzen eine neue Berufung. Er will Menschen berühren, Lebensfreude ausstrahlen und zeigen, dass Bewegung heilen kann.
Doch seit etwa einem Jahr ist er plötzlich verschwunden und nicht mehr in der Stadt unterwegs. Was ist passiert?
Malta, Griechenland, Polen
«Ich wohne seit Oktober 2025 in Kutaissi, Georgien», erzählt Weber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Physisch bin ich aus St. Gallen verschwunden. Doch der Kontakt zu den St. Gallern reisst nicht ab, viele schreiben mir und fragen nach. Sie sagen, sie vermissen mich.» Ab und an sei er auch noch zu Besuch in seiner alten Heimat.
Er sei nicht einfach so gegangen: «Die St. Galler waren die Ersten, die mich akzeptiert haben, wie ich bin. Aber meine innerste Sehnsucht hat mich weiterbewegt.» In den letzten Jahren war er auch längere Zeit auf Malta, in Griechenland, in Polen und in anderen Ländern unterwegs.