Es ist zu warm: Der Glarner Wald soll klimafitter werden
Die Statistik beeindruckt: Der bisherige Temperaturhöchstwert für den September in der Schweiz, so auch in Glarus, wurde dieses Jahr um fast ein Grad Celsius überboten. Der Oktober war der zweitwärmste je gemessene. Und auch der Sommer 2023 war schweizweit einer der fünf wärmsten seit Messbeginn, wobei alle fünf in den letzten 20 Jahre auftraten. Im Kanton Glarus ist es im Jahresdurchschnitt heutzutage rund ein Grad Celsius wärmer als im langjährigen Mittel, die letzten vier Jahre gar 1,5 Grad. Die jährliche Anzahl Sommertage über 25 Grad Celsius nimmt zu, die Anzahl Frost- und Schneetage ab. Die Gletscher schwinden augenscheinlich. Verschiedene Blumen und Obstbäume blühen in Elm und Linthal zwischen 5 bis 18 Tage früher als im Mittel seit 1970.
Der Klimawandel produziert zudem Starkniederschläge, was auf den ausgetrockneten Böden zu Hochwassern und Überschwemmungen führt. Eine Veränderung des Klimas führt in der steilen Glarner Berglandschaft schnell zu räumlichen Verschiebungen der Klimazonen, sodass eine Temperaturerhöhung die Waldgrenze und die Schneefallgrenze ansteigen lässt. Der Klimawandel ist deswegen im Glarnerland besonders schnell und deutlich sichtbar. «Das alles hat Konsequenzen für den Glarner Wald, seine Schutzfunktion für die Siedlungen und Strassen, die zukünftige Holzernte, die unzähligen waldbewohnenden Tiere und Pflanzen und für den Wald als Erholungsraum», bilanziert Maurus Frei, Kantonsoberförster des Kantons Glarus.
Heutiges Waldbild im Wandel
«Wegen den steigenden Temperaturen nimmt die Verdunstung im Sommer zu, was auch im Wald zu trockeneren Böden führt, vor allem während Trockenphasen», sagt Maurus Frei und gibt zu bedenken: «Gut sichtbar waren im Glarnerland beispielsweise im Hitzesommer 2018 die bereits im August verfärbten Bäume, vor allem Buchen, als Folge von Hitze und Trockenheit.» Die Artenzusammensetzung im Wald wird sich mit Fortschreiten des Klimawandels deswegen verändern. Trockenheitstolerantere Bäume wie Linden, Eichen, Ahorne, Erlen, Pappeln, Birken, Lärchen, Eiben und Waldföhren werden in Zukunft das Waldbild verstärkt mitprägen. Der Wald wird dadurch laubholzreicher und im Herbst farbiger. Die beiden häufigsten Glarner Baumarten heute, die Fichte (48 Prozent Anteil) und die Rotbuche (31 Prozent) leiden je länger je mehr unter den trockenwarmen Bedingungen. «Die Rotbuchen und Fichten sind in tieferen Lagen die grossen Verliererinnen des Klimawandels. Dort wird in den nächsten Jahrzehnten ein starker Rückgang erwartet. Dafür werden die Rotbuche und Fichte in höheren Lagen neue Gebiete erobern. Eine andere Häufigkeit und Verteilung dieser heute oft genutzten ‹Brotbaumarten› werden die zukünftige Holzernte stark beeinflussen», erklärt Maurus Frei.