Bündner Jagdamt erklärt sich nach Kritik wegen Wolfsregulation
Zwei Naturschutzvereine haben den proaktiven Abschuss dutzender Wölfe in Graubünden harsch kritisiert. Der Co-Leiter des zuständigen Amts für Jagd und Fischerei, Adrian Arquint, nimmt Stellung zu den geäusserten Vorwürfen.
Der Kanton Graubünden darf den Bestand bei zwölf Wolfsrudeln proaktiv regulieren. Bei vier weiteren Rudeln hat das Bundesamt für Umwelt (BAFU) bei nachgewiesenem Nachwuchs ebenfalls Abschüsse bewilligt. Der Kanton darf bis zu zwei Drittel der bestätigten Jungtiere erlegen. Beim Calderas-Rudel in Mittelbünden beantragt er eine vollständige Erlegung. Laut einer Kantonsmitteilung von vergangener Woche riss das Rudel wiederholt Nutztiere in fachgerecht geschützten Herden.
Die Wolfsthematik wird in Graubünden sowohl von «Wolfsbefürwortern» als auch von «Wolfsgegnern» hitzig diskutiert. Ein aktuelles Beispiel dafür: Die Vereine Wildtierschutz Schweiz und Wolfs-Hirten reagierten auf die Regulierungspläne mit einer markigen Stellungnahme. Das Amt für Jagd und Fischerei sei in den letzten Jahren von einer fachlich unabhängigen Wildtierbehörde «zu einem Vollzugsorgan einer deplatzierten rechtskonservativ dominierten Ausrottungspolitik geworden».
Gerade Graubünden zeige, dass Wölfe geeignete Territorien wieder besiedeln und Verluste meist im Folgejahr kompensiert würden. «Die gewählte Strategie ist nicht zielführend und ist ein Kostentreiber ohne Nutzen», heisst es in der Mitteilung. Trotz bewilligter Abschüsse von 115 Wölfen sei die Zahl der Wolfsfamilien weiter gestiegen.
Der Wolf stelle ein sehr geringes Risiko für Menschen dar «und nicht die Anzahl Wölfe, sondern die Anzahl ungeschützter Weidetiere ist für die Anzahl Risse verantwortlich». Teile der Landwirtschaft seien beim Herdenschutz zudem «lernresistent». «Die Ursachen ungenügenden Schutzes wird mit dem Gewehr verwaltet.» Friedliche, unauffällige Wolfsfamilien vorsorglich zu dezimieren, widerspreche klar dem Sinn des Artenschutzes.