Dankbar für die geschenkten Sprachen
Wie fühlt es sich an, seit der Kindheit mehrere Sprachen zu sprechen? Ich möchte meine persönliche Erfahrung mit euch teilen. Damit ihr einen tieferen Einblick in meine Welt erhält, nehme ich euch mit auf eine Reise in meine Kindheit.
Ich bin in der ältesten Stadt der Schweiz, Chur, aufgewachsen und habe dort meine gesamte Kindheit verbracht. Der Kanton Graubünden, als einziger dreisprachiger Kanton, ist für seine kulturelle Vielfalt bekannt. Verschiedene Kulturen und Dialekte verschmelzen miteinander und genau darum liebe ich unseren Kanton so sehr. Ich fühle mich in «Graubünda eifach dahei!» Ich bin mir sicher, vielen Bündnerinnen und Bündnern geht es ähnlich. Ich liebe das Dorfleben, die Bündner Berge, die Menschen, die Kleinstadt und die Natur.
Meine Eltern jedoch sind, anders als ich, in der Valposchiavo (auf Deutsch: Puschlav) aufgewachsen. Die Valposchiavo ist ein Bergtal im italienischsprachigen Teil von Graubünden. Das Tal ist vom Oberengadin über den Berninapass erreichbar, und die Autofahrt von Chur dauert nur etwa zwei Stunden.
Die Valposchiavo ist unter anderem für den berühmten roten Zug, die Berninabahn, bekannt, die seit 2008 zum Unesco-Welterbe gehört. Wenn ihr diese Strecke noch nie mit der Rhätischen Bahn gefahren seid, kann ich euch die Fahrt bis nach Tirano wärmstens empfehlen. Der ständige Wechsel des Panoramas nach den Tunneln ist ein einzigartiges Erlebnis.
Im Puschlav wird der italienische Dialekt Pus'ciavin gesprochen, ein alpinlombardischer Dialekt. Da beide meiner Eltern mit diesem Dialekt aufgewachsen sind, wurde er auch in unserer Familie zur Hauptsprache. Das Pus'ciavin unterscheidet sich jedoch deutlich vom klassischen Italienisch. Das erklärt auch, warum uns nicht alle italienischsprachigen Personen verstehen.