Bieler Literaturinstitut hat das Schreiben professionalisiert
Für den Schriftsteller Romain Buffat hat das Schweizerische Literaturinstitut in Biel die Sichtweise auf seinen Beruf verändert. Die Ausbildung habe eine ganze Generation von Autorinnen und Autoren geprägt. Am Samstag feiert das Institut sein 20-jähriges Bestehen.
«Der Bachelorstudiengang hat es mir ermöglicht, das Schreiben in den Mittelpunkt meines Lebens zu stellen und alles andere in den Hintergrund zu rücken», sagt Romain Buffat zur Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Das Studium sei nicht nur eine technische Ausbildung, vielmehr habe es ihm ein Bewusstsein für die vielfältigen Dimensionen des Schreibens vermittelt – von den Wirkungen eines Textes bis hin zur Stellung des Autors in der literarischen Welt.
Auch die Zusammenarbeit mit anderen Autorinnen und Autoren würdigt der 37-jährige Waadtländer, der 2025 für «Grande-Fin» mit dem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Die Studierenden legen ihre Texte immer wieder ihren Kommilitonen und Lehrpersonen vor. «Plötzlich beginnt man zu verstehen, dass unsere Texte Wirkungen entfalten, die man nicht immer im Voraus abschätzen kann.»
Kein «Bieler Stil»
An eine institutseigene Ästhetik glaubt Buffat nicht. «Rebecca Gisler, Elisa Shua Dusapin, Thomas Flahaut und ich haben fast zur gleichen Zeit studiert, aber wir haben hier vier unterschiedliche Stile und vier unterschiedliche Projekte», sagt er. Zwar liessen sich gewisse Tendenzen erkennen – ein Interesse am Realen oder an Fragen der Abstammung – doch diese gingen weit über den Rahmen der Hochschule hinaus.
Seiner Ansicht nach schreibt das Institut weder einen bestimmten Stil noch einen Bruch mit einer literarischen Tradition vor. «Es ermutigt die Studierenden, sich innerhalb des literarischen Feldes zu verorten.» Schliesslich stehe es allen frei, sich mit einer Strömung auseinanderzusetzen, sich von ihr zu distanzieren oder sie in Frage zu stellen.