Pflanzzeit in den Schatzalp-Gärten
«Nicht ganz, denn erst mal gilt es, den wundervollen Herbst zu geniessen. Die vielen Farben und würzigen Gerüche, die neuen Pflanzenkataloge und Blumenzwiebelmärkte. Nicht umsonst sind die goldenen Monate Erntezeit. Erntezeit, wieder so ein aufräumendes, abschliessendes Wort. Zum Teil stimmt es ja, denn auch wir botanischen Gärtner und Gärtnerinnen ernten jetzt. Allerdings vorrangig Saatgut einiger uns wichtigen Pflanzen, um sie mit anderen Gärten zu tauschen oder selber neu auszusäen. So schützen wir Bestände und erhalten Arten, welche uns am Herzen liegen. Eine schöne Aufgabe. Hier lassen sich noch mal ganz andere Wunder der Pflanzen beobachten. An Abschluss ist sowieso noch nicht zu denken. Für uns und die Arbeit im Garten ist noch mal Hochsaison. Herbst ist nicht nur Erntezeit, sondern vor allen Dingen Pflanzzeit. Das nächste, die nächsten Jahre dieser Kunstwerke auf Zeit wollen angelegt werden.
Bevorzugt vor der Winterruhe
Viele Pflanzen lieben den Herbst als Pflanzzeit. Sie bilden jetzt, in Vorbereitung auf ihre Ruhezeit, das Wurzelwerk noch mal stark aus. Kandidatinnen, die ausschliesslich im Herbst gepflanzt werden sollten, sind natürlich die im Frühjahr blühenden Zwiebeln: Tulpe, Narzisse, Schachbrettblume oder die vielen Zierlauch-Arten. Zwiebeln werden in grosser Fülle ungefähr doppelt so tief in den Boden gesetzt, wie sie selber gross sind.
Auch viele Stauden und Laubgehölze bevorzugen, im Herbst gepflanzt zu werden. Pfingstrosen zum Beispiel. Sie brauchen, wenn sie im Frühjahr gesetzt werden, mit ihrem Wachstum fast doppelt so lange oder blühen nicht. Hier geben die Herbstknospen, die kleinen, roten, spitzkegeligen Triebe an den Knollen, die Pflanztiefe vor. Nur knapp am obersten Horizont der Erde sollten diese zu erahnen sein.
Viele Iris, auch Schwertlilien genannt, bevorzugen ebenfalls den Herbst. Hier kommt es bezüglich der Pflanztiefe darauf an, mit welcher Art wir es zu tun haben. Die Vertreterinnen der Iris Germanica-Hybriden zum Beispiel möchten ihr Rhizom oberirdisch, also auf der Erde gesetzt haben, wohingegen die Iris Spuria-Hybriden tiefer in die Erde möchten. Auch die wintergrünen Polsterstauden wie Schleifenblume und Gänsekresse legen jetzt noch einmal los und können nun vermehrt und gesetzt werden.