Bei Fridolin Laagers Absturz fliegen die Schutzengel mit
Die Lunge ist gequetscht und angerissen, das linke Schulterblatt drei Mal gebrochen. Gebrochen sind auch beide Brustbeine, nebst insgesamt acht Rippen. Hinzu kommen eine Gehirnblutung und eine Gehirnerschütterung. Ganz zu schweigen von den Prellungen. Und trotzdem lacht Fridolin (Fridli) Laager. Nicht gerne, weil es ihm auch noch zwei Zähne abgeschlagen hat. «Aber eigentlich geht es mir ja gut.» Er habe ein zweites Leben geschenkt bekommen, sagt der Landwirt aus Mollis.
Dass Fridli Laager dem Teufel noch einmal «ab dem Karren» gefallen ist, weiss auch Hans Rauner. Der Bergführer hat ihn schwer verletzt aufgefunden. «Es grenzt an ein Wunder, dass der Fridli überhaupt überlebt hat. Bei seinem Absturz müssen die Schutzengel mitgeflogen sein.» Doch alles der Reihe nach.
Ein Prachtstag Mitte April. Bestes Skitourenwetter. Auf dem Fisetengrad schnallt Laager die Felle an. Zwei Stunden später blickt er vom Gipfel des 2971 hohen Gämsfairenstocks.
Ich habe ein zweites Leben geschenkt bekommen.»
Fridolin Laager, Absturzopfer
Das Gipfelkreuz ist unter Schnee vergraben. Daran mag sich Laager noch erinnern, bevor er in einer unendlich erscheinenden Schneewüste aus der Ohnmacht wieder aufwacht: ohne Ski, Rucksack und Handy. Mit unglaublichen Schmerzen und nicht ahnend, was überhaupt passiert ist. Aber froh darüber, dass er seine Beine noch bewegen konnte, erzählt Laager. «Ich schrie um Hilfe. Aus der Ferne hörte ich den Hund der Wartin der Claridenhütte bellen.»
Ein Bergführer hört die Hilferufe
Zufall oder Schicksal, dass zum selben Zeitpunkt auch Bergführer Hans Rauner unterwegs ist. Glück im Unglück, dass er seine Kollegin überreden konnte, anstatt direkt zum Urnerboden erst noch zur Claridenhütte abzufahren. «Nur deshalb hörte ich unterhalb des Gämsfairenstocks die Hilferufe», erzählt Rauner. Gesehen habe er allerdings nichts. «Ich konnte mit dem Mann nur sprechen.»