5 Fragen an Seco-Chefin: Was bedeuten die neuen Zollandrohungen?
US-Präsident Donald Trump droht der Schweiz erneut mit zusätzlichen Strafzöllen. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP sagt Seco-Direktorin Helene Budliger Artieda, wie stark die Unternehmen leiden und wie sich die Schweiz gegen die US-Vorwürfe wehrt.
Interview: Young-Sim Song, AWP
AWP: Was bedeuten die neuen Zollandrohungen für die Schweiz?
Helene Budliger Artieda: Für uns war klar, dass die Geschichte rund um die US-Zölle nicht beendet ist. Die Schweiz wusste, dass es diese Untersuchungen gibt, und wir wehren uns vehement gegen die Vorwürfe. Die Schweiz verurteilt jede Form von Zwangsarbeit. Es sieht danach aus, dass zu den meist begünstigten Zöllen Zusatzzölle von 12,5 Prozent dazukommen könnten. Das wäre eine Verschlechterung zum Status Quo von 2,5 Prozent. Man hört aber auch, dass es weiterhin Ausnahmen für Produkte geben soll, die es in den USA nicht gibt oder die dort nicht wachsen, wie zum Beispiel Bananen.
AWP: Welche Folgen könnte die Untersuchung zu Überkapazitäten haben?
HBA: Das wissen nur die USA. Wir haben deutlich darauf hingewiesen, dass in der Schweiz zu klar teureren Bedingungen produziert wird. Daraus zu schliessen, dass wir mit billigen Preisen und schlechter Qualität auf den US-Markt kommen, ist schwierig zu verstehen. Zudem ist die liberale Schweiz grundsätzlich nicht für umfangreiche Subventionen bekannt.
AWP: Wie sehr leiden die Schweizer Firmen?
HBA: Die Schweizer Wirtschaft zeigt sich einmal mehr sehr resilient, auch dank ihrer breiten Diversifizierung, beispielsweise in den Bereichen Life Sciences, Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie, Uhren sowie Nahrungsmittel, dort etwa mit einem der grössten Kaffee-Exporteure der Welt. Die Schweizer Regionen sind unterschiedlich betroffen. Besonders im Jurabogen ist die Kurzarbeit im vergangenen Jahr relativ rasch angestiegen. Auch in der Zentralschweiz und im Tessin gibt es Cluster von exportorientierten Industriefirmen, die leiden.