Wie Frauenkreise neuen Aufschwung erleben
von Laura Kessler
«Vielleicht will sie etwas erzählen, vielleicht ist sie total glücklich, vielleicht weint sie aber auch einfach.» Michaela Tuzzolino sitzt bei einem Kaffee und erzählt. Sie spricht übers Frausein, über Themen, die Frauen beschäftigen, über das Sich-Mitteilen und auch übers Weinen. Michaela Tuzzolino ist vieles und weiss vieles – vor allem über und von Frauen. Sie ist Personal Trainerin, Yoga- und Pilateslehrerin, Atemcoachin, Sterbebegleiterin, sie veranstaltet «Motherblessings», bietet Beckenbodentraining an und organisiert Frauenkreise. Über Letztere wollen wir mehr erfahren. Wollen wissen, was es mit diesen uralten Zirkeln auf sich hat und warum das genau jetzt das ist, was viele brauchen.
Frauenkreise sind Zusammenkünfte von Frauen in einladender Atmosphäre, wo Frauen von sich und ihren Themen erzählen. Ein wertungsfreier Raum, wie Michaela Tuzzolino sagt. Eine Runde, in der jede Frau sich selber sein kann, erzählen kann, was sie beschäftigt und wo einfach zugehört wird. «In einem Basiskreis geben wir keine Ratschläge, trösten nicht, bieten keine Lösungen. Es geht darum, rauszulassen, was raus soll und gleichzeitig selber einen Weg zu finden, mit dem Problem umzugehen», erklärt die gebürtige Österreicherin, die mit ihrer Familie schon seit vielen Jahren in Seewis im Prättigau lebt.
Frauenkreise oder «Women Circles» sind etwas, das scheinbar seit Kurzem im Trend ist. Jedoch gibt es sie schon seit Jahrtausenden. «Wir haben nur vergessen, dass sie existieren», so Michaela Tuzzolino. Die Zusammenkunft von Frauen, von Seelenschwestern, der Austausch, vielleicht auch das gemeinsame Tanzen, Musizieren und Meditieren gehörten zu vielen alten Kulturen. Die Weisheit und das Wissen übers Frausein weiterzugeben, war Teil vieler Dörfer und Stämme.