«Zmittenand» in etwas anderer Form
In einer Zeit von Selbstoptimierung und Bodystyling kann die Fastenzeit zu einer neuen Diätepisode werden, in der wir versuchen, die überschüssigen Kilos loszuwerden. In diesem Fall würde es heissen: «Ziel der Fastenzeit verfehlt». Verzichten sollten wir nun, doch tun wir dies nicht schon seit Monaten: kein Gasthausbesuch, Partys, Kino, Theater, Fitnesscenter, Geburtstagfest? Kommt nun der depressive Absturz? Was will die Fastenzeit? In der Bibel lesen wir: «Kehrt um zu mir von ganzem Herzen mit Fasten, Weinen und Klagen! Zerreisst eure Herzen, nicht eure Kleider, und kehrt um zum Herrn, eurem Gott»! (Joël 2,12–13) Nicht der Speck von der Hüfte soll weg, sondern der Speck vom Herzen. Nicht mich – meiner – mir, sondern mehr Platz und Zeit für den Mitmenschen und für Gott. Dieses Hinwenden bedeutet, auf sich selber zu verzichten und die Beziehungen zum Mitmenschen, zur Schöpfung und zu Gott neu in den Blick zu nehmen. Wir Menschen streben nach Erfüllung, und dies ist legitim und lobenswert. Doch Fülle allein mit Materiellem zu erreichen, wie es uns heute vielfach proklamiert wird, bringt den Menschen, die Menschheit und die Schöpfung an den Rand des Abgrunds. Nur eine Fülle im Herzen und nicht am Herzen macht den Menschen glücklich und frei. Denn die Fülle der Liebe kommt nicht vom «Nehmen», sondern durch das Verschenken der Liebe an die Mitmenschen und indem wir uns im Besonderen von Gottes Liebe erfüllen lassen. Wer dies begreift, versteht, dass die Botschaft Jesu Christi aktueller denn je ist.
Für die ökumenische Arbeitsgruppe: Vikar Pius Betschart, Katholische Pfarrei