Von der Ehre, einen Steinbock zu erlegen
Was für ein göttlicher Anblick: der erscheinenden Sonnenrand über der Westflanke, der die östliche Bergpracht in gleissendes Licht hüllt. Und was für ein erhabener Anblick, fast ein Alpsegen, ist der Steinbock, der da steht, dessen Atem in der morgendlichen Kühle Fahnen in den Wind zieht wie am nächtlichen Himmel ein Polarlicht. Was muss ein Jäger fühlen, der ein Patent zur Steinbockjagd erhalten hat?
Steinwild-Abschuss hält Kolonien gesund
Auch Fotografin Mirsada Gubler, welche das Steinwild vor die Linse bekommen hat, kommt auf Facebook ins Schwärmen: «Wild. Sanft. Stark. Erdverbunden. Dem Himmel nah, die Könige der Alpen. Einfach mehr als faszinierend. Ich liebe das Glarnerland.»
Nicht vor die Linse, sondern vor die Büchse bekommen den König der Alpen, dem als Krone Hörner aufgesetzt worden sind, die bis zu einem Meter lang werden können, bald eine Handvoll Weidmänner.
Ab dem 1. September darf auf den Steinbock geschossen werden. Das ist kein Grund, um jetzt auf die Jäger zu «schiessen». Das stolze, einst in der Schweiz ausgerottete Tier, muss heute bejagt werden, um die Kolonien gesund zu erhalten.
Am meisten Steinböcke zählt nämlich die Schweiz: Dort leben wieder rund 17 000 Individuen. 13 500 Tiere durchstreifen Italien, 10 000 sind es in den französischen Alpen, 4500 in Österreich. Hinzu kommen die 730 Steinböcke aus Deutschland.
In Slowenien liegt der Bestand bei 400 Individuen – das Glarnerland kommt auf 450 Stück Steinwild. «Bis zur Gemeindefusion zählte der Kanton noch einen Steinbock mehr», sagt Christoph Jäggi, der kantonale Fischerei- und Jagdverwalter, scherzend. «Den auf dem einstigen Gemeindewappen von Glarus.»
Die Glarner Steinböcke leben laut Jäggi heute vor allem in drei Kolonien: in den Gebieten Längenegg, Foostock und Oberalp-Tödi-Calanda. «Aus diesen drei Kolonien dürfen insgesamt 13 Geissen und Böcke geschossen werden.» Weniger als in den vergangenen Jahren. «Im vorletzten Winter gab es durch Lawinen viele Todesfälle. Darauf haben wir jetzt Rücksicht genommen und die Abschusszahlen herabgesetzt», erklärt Jäggi.