Viele Tierquälereien werden nicht angezeigt
Auf Facebook hat vor Kurzem eine Tierquälerei für heftige Reaktionen gesorgt. Gemäss dem Post ist in der Region Zizers mit einem Pfeil auf eine Katze geschossen worden. Das Thema Tierquälerei weckt Emotionen: «Tierquälerei ist ein schweizweites Phänomen, so auch im Kanton Graubünden», erklärt Andreas Rüttimann, rechtswissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Tier im Recht, gegenüber Radio Südostschweiz.
Die Stiftung Tier im Recht erfasst alle Daten von Straffällen im Zusammenhang mit Tierquälerei in der Schweiz. Die Stiftung analysiert die Daten, die sie vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) erhält und veröffentlicht jedes Jahr eine entsprechende Statistik. In Graubünden werden laut Rüttimann pro zehntausend Einwohner mehr Tierschutzstrafverfahren durchgeführt als in anderen Kantonen. Das erscheint auf den ersten Blick negativ, das Gegenteil ist aber der Fall, wie Rüttimann erklärt: «Wir gehen davon aus, dass die tatsächliche Zahl von Fällen in allen Kantonen etwa gleich hoch ist. In Graubünden werden jedoch mehr Fälle nachverfolgt.»
Mehr Fälle bei Heimtieren als bei Nutztieren
Im Jahr 2019 wurden in der gesamten Schweiz 1933 Strafverfahren im Zusammenhang mit dem Tierschutzgesetz durchgeführt. In Graubünden waren es 76. Es zeige sich, dass mehr Heimtiere als Nutztiere betroffen seien, sagt Rüttimann. Diese Zahlen sind jedoch mit Vorsicht zu geniessen: «Wir gehen davon aus, dass die Sensibilität für Tierquälereien bei Heimtieren grösser ist als bei Nutztieren.» Entsprechend werden solche Fälle eher zur Anzeige gebracht, als wenn ein Nutztier gequält wird. Ausserdem ist es gemäss Rüttimann so, dass sich die Zahlen in der Statistik auf Fälle und nicht auf die Anzahl betroffener Tiere beziehen. «Im Heimtierbereich ist oft ein Einzeltier betroffen, im Nutztierbereich hingegen sind es meist mehrere Tiere.»
Angriffe sind selten
Am häufigsten drangsalieren gemäss Rüttimann die Tierhalter ihre Tiere. «Fälle, in denen eine Drittperson einem Tier auflauert und ihm gezielt Schmerzen zufügt, es verletzt oder gar tötet, sind nicht typisch.» Meist werden die Tiere vernachlässigt. «Etwa, indem jemand seinem Hund zu wenig Auslauf ermöglicht, ihn den ganzen Tag zu Hause einsperrt und dem Tier keinen sozialen Kontakt zu Menschen oder anderen Tieren ermöglicht.»