Und wir feiern die ganze Nacht
Nachdem ich jahrelang gar keine Begeisterung für das Nachtleben aka die Partyszene aufbringen konnte, gelte ich mittlerweile als die wilde Partymaus der Familie. Wobei das mehr heisst, dass meine Familie aus chronischen Stubenhockern besteht. Während dem Semester gehöre ich eher zu der Sorte Mensch, die zwar am Samstagabend auch mal weg ist, aber sonntags um zehn Uhr aufsteht um zu Arbeiten oder Uni-Zeugs zu erledigen.
Das Tragische an der Geschichte: als ich endlich Gefallen an langen Nächten und verschlafenen Vormittagen fand, kam Corona. Im Gegensatz dazu sind hyperbesorgte, überprotektive und strenge Eltern harmlos. Wobei ich sagen muss, dass ich das nie hatte.
Im April war es eigentlich schon fast ein Wunder, dass das Bierchen zu Hause auf dem Balkon noch erlaubt war. Alle Events, Bars und Clubs waren komplett geschlossen und seine Freunde konnte man nicht einmal mehr mit einer Flasche Wein dazu überreden die Türschwelle zu übertreten. Die darauf folgende Polizeistunde machte die Partyszene auch nicht gerade attraktiv. Nachts um zwölf, also gerade dann, wenn man bereit für eine lange und durchtanzte Nacht gewesen wäre, blitzten grelle Neonlichter auf. Man stand noch nüchtern aber schon verschwitzt da und schaute wie ein begossener Pudel aus der Wäsche. Einziger Vorteil: Man fand seine pseudomässig versteckte Tasche und Jacke ohne lange suchen.
Inzwischen ist es fast schon wieder sozialer Selbstmord den Samstagabend ausserhalb der eigenen vier Wände zu verbringen. Mal abgesehen davon, kann man sich berufstätige Menschen als Begleitung gleich abschminken, da niemand seinem Chef erklären will, wieso man jetzt zehn Tage in Quarantäne muss.
Fakt ist: Das Coronavirus hat die Homepartys auf das nächste Level gebracht»